Mechanismen bei Zwangsstörungen aufgedeckt

Foto: Schädel-MRI

Zwangsstörung durch Handlungs-
fehler im Gehirn; © SXC

Die Wissenschaftler untersuchten die Nervenzellaktivität bei einem 39jährigen Mann, der seit seinem elften Lebensjahr unter einem krankhaften Waschzwang und quälenden, sich ständig wiederholenden Gedanken litt. Bei ihrer Arbeit konzentrierten sich die Neurowissenschaftler auf ein kleines Hirnareal in der Nähe des Hirnstamms, tief unterhalb der Großhirnrinde. Die Nervenzellen im so genannten Nucleus accumbens sind aktiv an der Kontrolle von Handlungen, Lernprozessen und der Entstehung von Süchten beteiligt.

Bei Menschen, die an Zwangsstörungen leiden, sind diese Nervenzellen besonders aktiv. Im Rahmen der operativen Vorbereitung einer Tiefenhirnstimulation haben die Magdeburger Forscher erstmals die Nervenzellaktivität in dem etwa einen cm großen Teil des Gehirns registriert, während der Patient eine Aufgabe zur Handlungskontrolle durchführte. Im konkreten Fall sollte er mit der rechten oder linken Hand auf Buchstaben reagieren, die ihm auf einem Monitor gezeigt wurden. Machte der Patient einen Fehler, wurde eine entsprechende Veränderung im elektrophysiologischen Muster des Nucleus accumbens beobachtet.

"Wir können mit unseren Ergebnissen zum einen zeigen, dass innerhalb der Zielregion der Tiefenhirnstimulation spezifisch der Nucleus accumbens an der Verarbeitung von Handlungsfehlern beteiligt ist", so Psychologe Dr. Marcus Heldmann, der die intraoperativen Messungen betreute. "Unsere Daten zeigen, dass zeitlich betrachtet Handlungsfehler in den Basalganglien zuerst kodiert werden, die Verarbeitung solcher Informationen in mediale Strukturen des präfrontalen Kortex aber erst 40 bis 50 Millisekunden später erfolgt."

Mit der Untersuchung, die erstmals am Menschen durchgeführt werden konnte, hoffen die Magdeburger Neurowissenschaftler die Funktion dieser Hirnregion künftig besser verstehen zu können. Das ist eine Voraussetzung, um die Tiefenhirnstimulation in Zukunft individuell noch genauer zu gestalten.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg