Kardiologie: Mechanismen von Herzrhythmusstörungen erstmals sichtbar

07.03.2014
Foto: Prof. Horstkotte im Labor

Prof. Horstkotte setzt die neue Herzdiagnostik in den Herzkatheter-
laboren des Herz- und Diabetes-
zentrums NRW ein; © HDZ NRW

Fehlgeleitete elektrische Impulse am Herzmuskel können den Herzrhythmus lebensbedrohlich beeinträchtigen. Erstmals machen Kardiologen im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, jetzt den Mechanismus der Rhythmusstörungen sichtbar und können somit erfolgreicher behandeln - dank einer revolutionären dreidimensionalen Bildgebungstechnologie.

Die Klinik für Kardiologie unter der Leitung von Prof. Dieter Horstkotte am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist das einzige Zentrum in Nordrhein-Westfalen und eine von nur drei Einrichtungen in Europa, in der die neue 3D-Herzbildgebungstechnik derzeit eingesetzt wird. “Das neue Diagnoseverfahren ermöglicht uns eine genauere Darstellung und bessere Behandlungsplanung insbesondere für Patienten, die an schweren und dauerhaften Formen des Vorhofflimmerns leiden“, betont Horstkotte.

„Erstmals überhaupt können wir jetzt die elektrophysiologischen Mechanismen des Vorhofflimmerns sichtbar machen“, erläutert Dr. Georg Nölker die bahnbrechende Medizintechnik, die Patienten mit Arrhythmien, Vorhofflimmern, Vorhofflattern und anderen Tachykardien bessere Behandlungsaussichten als bisher verspricht.

Sind diese Quellen der gestörten Erregungsleitungen am Herz-Vorhof erst einmal erkannt und genauestens geortet, können sie mittels einer Herzkatheterprozedur, einer sogenannten Ablation, verödet und damit dauerhaft beseitigt werden. Die Herzspezialisten bezeichnen diese Quellen als „Rotoren“. Das neue System namens FIRM, das seit Anfang Februar in den Herzkatheterlaboren der HDZ-Elektrophysiologen eingesetzt wird, besteht aus einer Software-Einheit einschließlich eines speziellen Korb-Katheters, mit dem die den Herzrhythmus störenden Rotoren in beiden Vorhöfen erreicht und wirkungslos gemacht werden.

Während bei herkömmlichen Verfahren der Elektrophysiologie in der Regel mehrmalige Prozeduren notwendig sind, um eine Erfolgsrate von 70 Prozent zu erzielen, verspricht das FIRM System mittels Rotoren-Erkennung ein schnelleres und besseres Ergebnis. Das belegen amerikanische Studien. Ende des vergangenen Jahres hat das neue 3D-Bildgebungsverfahren zur Diagnostik des Vorhofflimmerns sowohl die europäische CE-Zulassung als auch die US-Zulassung durch die FDA erhalten.

„Unsere Erfahrungen bisher sind mehr als zufriedenstellend“, bestätigt Nölker, Leiter der HDZ-Elektrophysiologie. „Bei einem hohen Anteil der bisher behandelten Fälle kam es zur Beendigung der Rhythmusstörung. Das ist erfahrungsgemäß mit einer guten Prognose verbunden. Vielfach war Vorhofflimmern am Ende der Behandlung nicht mehr auslösbar.“

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen