Die Idee hinter einer solchen „structured treatment interruption (STI)“ ist relativ simpel: Viele antiretrovirale Wirkstoffe haben starke Nebenwirkungen. Könnte man solche Nebenwirkungen vermindern, indem man die Therapie regelmäßig unterbricht, ohne dadurch den Behandlungserfolg zu gefährden?

Dieser Frage stellte sich die „Strategies for Management of Anti-retroviral Therapy (SMART)”-Studie, deren Ergebnisse jetzt auf der XVI International AIDS Conference in Toronto vorgestellt wurden. Mehr als 5.000 Patienten hatten daran teilgenommen. In dieser Studie behandelte man einen Teil der Patienten kontinuierlich mit antiretroviralen Wirkstoffen, ein anderer Teil der Studienteilnehmer durfte regelmäßig für einen genau vorgeschriebenen Zeitraum die Medikamente absetzen.

Die Ergebnisse sind eher ernüchternd: Das Risiko, dass die Erkrankung fortschreitet, liegt etwa 2,5fach höher, wenn die Patienten ihre Therapie unterbrechen als wenn sie diese Therapie kontinuierlich weiterführen (p kleiner 0.0001). Dies gilt für alle Subgruppen Infizierter, unabhängig von Alter, Geschlecht, CD4+-Zellzahlen und anderen Faktoren. Unterschiede gab es nur bei zwei Faktoren: Dunkelhäutige Infizierte haben ein 3,6-fach erhöhtes Risiko, Weiße ein 2,0-fach erhöhtes Risiko. Höher ist das Risiko auch bei jenen, die zu Beginn der Therapie eine sehr hohe virale Last haben.

Wissenschaftler versuchen jetzt, die Gründe für dieses Ergebnis zu analysieren. Denn das grundlegende Problem bleibt: Viele Infizierte brechen ihre Therapie wegen hoher Nebenwirkungen ab oder nehmen die Medikamente nur unregelmäßig ein. Würde es gelingen, ein medikamentensparendes Therapieregime zu finden, könnte das die Compliance der Patienten deutlich erhöhen.

MEDICA.de; Quelle: XVI International AIDS Conference 2006 Abstract WEPE0741