Medikamente im Erwachsenenalter?

Foto: Frau sitzt auf einer Wiese und meditiert

Zu ADHS im Erwachsenenalter
gehören auch gestörte Aufmerk-
samkeit, impulsives Handeln oder
ständiger Bewegungsdrang;
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ADHS ist eine psychische Störung. Die Erkrankung beginnt immer im Kindesalter, kann aber bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Betroffene sind unaufmerksam, impulsiv, hyperaktiv und schlecht organisiert. Sie leiden häufig unter weiteren psychischen Störungen und sind in Stresssituationen schnell überfordert.

Die für den Bericht bewerteten klinischen Studien zeigen, dass bei Erwachsenen gegenüber Placebo vor allem Arzneimittel mit zentral-nervös stimulierender Wirkung (Methylphenidat und Amphetamine) und Atomoxetin die ADHS-Symptome verringern. Dabei muss die Dosis für einzelne Betroffene individuell angepasst werden, damit die Medikamente optimal wirken.

Aus Studien aus dem Ausland schließen die Autoren auf hohe jährliche direkte (zum Beoispiel für Medikamente) und indirekte Kosten (zum Beispiel Zeit) für die Behandlung der ADHS.

Die Studien empfehlen, Voraussetzungen für eine angemessene Versorgung mit ADHS-Medikamenten auch für Erwachsene zu schaffen. Weitere klinische Studien sollten durchgeführt werden, um die Substanzen direkt miteinander zu vergleichen und Langzeiteffekte zu erfassen. Auch für genauere Aussagen zur Kosten-Effektivität der medikamentösen Behandlung speziell für Deutschland sind Studien erforderlich.

ADHS wird nach den internationalen Klassifikationssystemen psychischer Störungen diagnostiziert. Für eine Diagnose im Erwachsenenalter muss die Kernsymptomatik bereits im Kindesalter vorgelegen haben. Dazu gehören unter anderem gestörte Aufmerksamkeit, impulsives Handeln oder ständiger Bewegungsdrang. Von Erwachsenen sind etwa zwei bis vier Prozent betroffen, wobei statistisch mehr Männer als Frauen an ADHS leiden. Die Störung wirkt sich für Betroffene in nahezu allen Lebensbereichen aus. Unter anderem steigt das Risiko, schwere Verkehrsunfälle zu verursachen oder straffällig zu werden. Zudem werden zahlreiche andere psychische Beeinträchtigungen gefördert, etwa Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen.

Ob eine Therapie erforderlich ist, hängt vom Ausprägungsgrad der Krankheit sowie von den psychischen und sozialen Beeinträchtigungen der Betroffenen ab. Wissenschaftliche Leitlinien, zum Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), zur Diagnostik und Therapie der ADHS im Erwachsenenalter empfehlen im Rahmen eines multimodalen Konzeptes neben psychotherapeutischen Interventionen und Schulungen auch - mit unterschiedlicher Evidenzlage - die Behandlung mit speziellen, verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Als Therapie erster Wahl bei ADHS im Erwachsenenalter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde den Wirkstoff Methylphenidat. Allerdings sind ADHS-Medikamente in Deutschland zurzeit nur für Kinder und Jugendliche zugelassen und durch gesetzliche Krankenversicherungen erstattungspflichtig, bei Erwachsenen werden die Arzneimittel im Einzelfall erstattet.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)