Mediziner brauchen zusätzliche Mittel

Das Medizinstudium zeichnet sich durch einen sehr hohen Studierendenerfolg von über 90 Prozent aus. Nach Untersuchungen der Universitäten Konstanz und Kassel ist die Humanmedizin das Universitätsfach mit dem größten Praxisbezug. 94 Prozent der Absolventen gehen in die klinische Versorgung. Diese Ausbildungsqualität muss auch künftig erhalten werden.

„Die Finanzierung politisch gewollter neuer Studienplätze für Humanmediziner muss gesichert werden", fordert daher Professor Dieter Bitter-Suermann, Vorsitzender der Deutschen Hochschulmedizin. „Es ist leicht, gesundheitspolitische Wünsche zu formulieren, wenn man die daraus resultierende Leistung nicht selbst erbringen oder bezahlen muss. Da schon die zusätzlichen Studienplätze für die doppelten Abiturjahrgänge in der Regel nur zu einem Bruchteil der tatsächlichen Kosten finanziert werden, ist mit einer eskalierenden Unterfinanzierung der Universitäten zu rechnen. Wenn mehr Ärztinnen und Ärzte ohne entsprechende Ressourcen ausgebildet werden sollen, kann die anerkannte Qualität des Medizinstudiums nicht gehalten werden", mahnt Bitter-Suermann. Falls der hohe Standard des ärztlichen Nachwuchses künftig sinken sollte, dürfte auch die vorbildliche medizinische Versorgung in Deutschland leiden.

Auf eine einheitliche Bemessungsgrundlage für die Ausbildungskosten konnten sich die Politiker bisher nicht einigen. Unstrittig ist jedoch, dass das Medizinstudium viel kostenintensiver ist, als die nichtklinische Ausbildung in verwandten Fächern. Zur ersten Abschätzung wird gerne die offizielle Statistik genutzt. Im Jahr 2008 lagen die laufenden Ausgaben der Universitäten und Hochschulen pro Studienabschluss in der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften bei 218.900 Euro.

„Das Statistische Bundesamt beschreibt durch die Mittelwertbildung mit Fächern wie Gesundheitsmanagement und Gesundheitsökonomie nur die Kosten für Abschlüsse der Fächergruppe allgemein. Die Ausbildungskosten für Ärztinnen und Ärzte sind weitaus höher, denn in die Rechnung gehen Studiengänge ein, die weniger als 100.000 Euro benötigen", erläutert Bitter-Suermann. „Realistischerweise sind laufende Mittel in Höhe von rund 250.000 Euro für jeden Absolventen in der Humanmedizin anzusetzen. Hinzu kommen noch die notwendigen Investitionen für Unterrichts- und Trainingsräume sowie Gerätschaften."

Für die Berechnungen der Fächergruppe Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften an Universitäten und Hochschulen legt das Statistische Bundesamt eine Studierendenzahl von 114.491 zugrunde. In den dazugehörenden Lehr- und Forschungsbereich "Humanmedizin allgemein" wurden 79.588 Studierende der Humanmedizin einbezogen. Dieser Lehr- und Forschungsbereich beinhalten nicht nur die angestrebten Staatsexamina mit dem Berufsziel Arzt, sondern zum Beispiel auch Promotionen.

MEDICA.de; Quelle: Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland