Medizinermangel in Deutschland: Attraktivität des Arztberufs muss wachsen

Ärzte in Deutschland üben hochmotiviert ihren Beruf aus, sind aber mit den Rahmenbedingungen unzufrieden, da diese zwangsläufig zu hohen Belastungen führen. So lautet ein Ergebnis des Ärztemonitors 2014 von KBV und NAV-Virchow-Bund. Wie kann der Arztberuf für die „Generation Y“ attraktiv bleiben, die eine ausgeglichene Work-Life-Balance einfordert? Diese Frage diskutieren Experten auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE am 12. November in Düsseldorf.

Zahlreiche deutsche Krankenhäuser organisieren ihre Arbeitsabläufe in den letzten Jahren neu. Eine kürzlich veröffentlichte Online-Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule zeigt, dass diese Reorganisationsprozesse jedoch selten die Rahmenbedingungen für die Ärzte verbessern: Leistungsdruck und Zeitknappheit prägen den Arbeitsalltag in den Kliniken, auch verursacht durch einen Zuwachs an Bürokratie und Dokumentationsarbeit.

Trotz Arbeitsverdichtung bauen die Häuser zudem Stellen ab, so die Studie des IAT. Andererseits können offene Stellen nicht besetzt werden. 37 Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass auf ihrer Station Mediziner als Leih-oder Zeitarbeiter beschäftigt würden. „Schon heute fehlen 8.000 Fachkräfte in Kliniken“, sagt Professor Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert sogar einen Mangel von rund 175.000 Ärzten und Fachkräften für 2015. Hinzu kommt, dass in einer älter werdenden Gesellschaft der Bedarf an Ärzten zunimmt. Auch der medizinische Fortschritt, der eine Vielzahl neuer Behandlungsmöglichkeiten eröffnet, erfordert mehr Personal. „Es wird sich zeigen, ob die Bundesregierung es mit ihrer angekündigten Qualitätsoffensive in den Krankenhäusern tatsächlich ernst meint“, sagt Professor Montgomery. „Fest steht: Ohne eine ausreichende Finanzierung wird die Krankenhausreform ihr Ziel verfehlen. Wir müssen den gravierenden Personalmangel und die damit verbundene Arbeitsbelastung in den Griff bekommen.“

Dafür sei neben einer tiefgreifenden Reform des Fallpauschalen-Systems eine kontinuierliche Anpassung der Klinikfinanzierung an die tatsächlichen Kosten der Häuser notwendig. Auch die Investitionsförderung durch die Länder sei dringend reformbedürftig. „Wenn dies gelingt, wird die ärztliche Tätigkeit in den Krankenhäusern wieder attraktiver“, sagt Professor Montgomery im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE. Dieses gelte gerade für Mediziner der sogenannten Generation Y, die Teenager der Jahre 1990 bis 2010. Sie legten besonderen Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit, Familie und Freizeit. Dazu gehörten neben einer geregelten Kinderbetreuung auch flexiblere Arbeitszeiten. „Wir müssen die Bedürfnisse der jungen Ärztegeneration mit dem Anrecht der Patienten auf eine Versorgung auf höchstem Niveau in Einklang bringen. Daher arbeiten wir an einer grundlegenden Neugestaltung der ärztlichen Weiterbildung“, so Professor Montgomery.

Neben der Frage, was sich im Klinikalltag sinnvoll verändern sollte, diskutieren Experten auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE in den Symposien zur Berufs- und Hochschulpolitik auch über die Attraktivität der Aus- und Weiterbildung von Ärzten in Deutschland.


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Düsseldorf, November 2014