Biobanken: Medizinische Forschung als ethisches Prinzip

16.12.2013
Foto: Probenlagerung

Wegen der wachsenden Datenmengen in Biobanken müssen Persönlichkeits-
rechte der Spender und Machbarkeit der Forschung in Einklang gebracht werden; © panthermedia.net/Anna Liebiedieva

Wesentlich für den Betrieb von Biobanken ist der Schutz der Persönlichkeitsrechte der Spender bei gleichzeitiger Machbarkeit und höchster Qualität der Forschungsprojekte.

Biobanken gelten derzeit als die wichtigste Ressource für den wissenschaftlichen Fortschritt in der Medizin. Zunehmend werden Biomaterialien wie Blut oder Gewebe und zugehörige klinische Daten in großen, langfristig angelegten Biobanken gesammelt, wo sie für aktuelle und künftige Forschungsfragestellungen und Analysen zur Verfügung stehen. Biomedizinische Forscher und Ethiker sind sich einig darüber, dass die bisher anerkannten Konzepte einer informierten Einwilligung durch die Probenspender vor diesem Hintergrund weiterentwickelt werden müssen. "Es ist wichtig, dass praktische Konkordanz zwischen dem unbedingt notwendigen Schutz der Persönlichkeitsrechte der Spender von Biomaterialen und den unverzichtbaren und legitimen Forschungsinteressen von Nutzern von Biobanken realisiert werden kann. Gute medizinische Forschung zu ermöglichen, ist ein hoch ethisches Prinzip." So formulierte es Matthias Brumhard, Vertreter der Ethikkommission am Fachbereich Humanmedizin der Universität Gießen, beim 2. Nationalen Biobanken-Symposium.

Im Rahmen des Symposiums stellten sich Forscher und Ethiker der gemeinsamen Diskussion darüber, wie diese „praktische Konkordanz“ hergestellt werden könnte. Bürger haben ebenso ein Recht auf den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte wie sie – als Patienten – auch ein Recht auf Behandlungsmöglichkeiten haben, insbesondere, wenn sie von bisher nicht oder kaum behandelbaren Erkrankungen betroffen sind. Das bisherige Konzept des informed consent, also der auf Information und Aufklärung beruhenden Einwilligung des Patienten in die Verwendung der von ihm gewonnenen biologischen Proben, setzt voraus, dass die Materialien für spezifische Forschungszwecke gesammelt und aufbewahrt werden.

Erste Biobanken, wie beispielsweise die Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank Würzburg (ibdw) unter der Leitung von Prof. Roland Jahns, haben in den vergangenen Jahren neue, breit gefasste Patienteninformationen und Einwilligungserklärungen erarbeitet und mit den zuständigen Ethikkommissionen abgestimmt. Diese Ansätze sind auch in einen Mustertext für die Patienten- bzw. Probandeninformation und eine entsprechende Einwilligungserklärung eingeflossen, die im Arbeitskreis Medizinischer Ethik-Kommissionen erarbeitet wurde.

Wie der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Peter Dabrock (Universität Erlangen-Nürnberg), darlegte, müssen Biobanken-Infrastrukturen zwangsläufig wissenschaftlich und technologisch hoch dynamisch und national wie international stark vernetzt sein. Zugleich ist die Biobanken-Forschung ohne eine Mitwirkung von Patienten oder Probanden als Probenspender nicht möglich. Deshalb sieht er die informierte Einwilligung als notwendige, jedoch nicht hinreichende Bedingung für diesen Forschungszweig an.

Deutlich wurde im Symposium, dass auch die Qualitätssicherung der Proben nicht nur im Interesse der Forscher und ihrer wissenschaftlichen Arbeiten ist: Sie ist auch aus ethischen Gründen zu fordern, denn nur, wenn die Ergebnisse der Analysen zuverlässig sind, erscheint es gerechtfertigt, Patienten oder Probanden um die Spende von Proben zu bitten. Verschiedene wissenschaftliche Projekte, die auch im Rahmen des Symposiums diskutiert wurden, erforschen derzeit die Stabilität von Biomarkern bei unterschiedlichen Temperaturen und Lagerdauern und deren Einfluss auf die Analyse-Ergebnisse. Auch die Arbeitsgruppe Biobanken des Arbeitskreises Medizinischer Ethikkommissionen wird sich in nächster Zeit mit Qualitätskriterien für Biobanken beschäftigen.

MEDICA.de; Quelle: TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)