03.08.2011

timm-Clustermanagement TransMIT Gesellschaft f., Technologietransfer mbH

Medizinische Virologie ist Referenzzentrum

Das Institut für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) übernimmt im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit die Aufgaben als neues Nationales Referenzzentrum (NRZ) für Hepatitis-B- und -D-Viren.

Damit ist erstmals ein NRZ in Hessen angesiedelt. Die Ernennung des Gießener Instituts zum Nationalen Referenzzentrum belegt die Leistungsfähigkeit der Infektionsforschung an der JLU und zeigt die Bedeutung des Forschungsstandorts und das hohe Niveau der medizinischen Versorgung. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) als Bundesbehörde stehen zur fachlichen Beratung und zur Sicherstellung spezieller labordiagnostischer Angebote seit 1995 sogenannte Konsiliarlabore zur Seite; zurzeit sind dies bundesweit 49 Einrichtungen. Für Infektionskrankheiten, die bezüglich der gesundheitlichen Gefährdung und der Bedeutung für das öffentliche Gesundheitswesen besonders wichtig sind, werden derzeit acht Nationale Referenzzentren durch das Bundesministerium für Gesundheit berufen.

Wissenschaftlicher Leiter des neuen NRZ ist Privatdozent Dr. Dieter Glebe, der in den letzten Jahren Zellkultursysteme zur Erforschung des Zelleintritts des Hepatitis-B-Virus (HBV) und Methoden zur Testung der Medikamentenresistenz etablierte. Ärztlicher Leiter des NRZ ist Doktor Christian Schüttler, der im September 2010 zum Leiter der Virusdiagnostik am Institut berufen wurde und unter anderem bereits an der Etablierung neuer diagnostischer HBV-Standardpräparate für die Weltgesundheitsorganisation WHO beteiligt war.

Besonders das Hepatitis-B-Virus wurde seit der Einführung von Impfungen als weitgehend gelöstes Problem betrachtet. Die Gießener Forscher konnten jedoch in den letzten Jahren nachweisen, dass erneut erhebliche medizinische Probleme bei HBV zu beobachten sind. Dies können Impfversagen, Impfdurchbrüche, bei der Therapie entstandene Mutationen, gefährliche Verläufe bei Wiederauftreten von HBV bei Transplantationspatienten oder ein Versagen verschiedener kommerzieller Testsysteme sein. In den kommenden Jahren wird sich das Referenzzentrum unter anderem der zentralen Erfassung von Mutationen und der Charakterisierung ihrer Resistenz gegenüber antiviralen Arzneistoffen widmen. Hinzu kommen Erhebungen bei Personengruppen mit hoher HBV-Gefährdung und bei Organempfängern. Um diagnostische Tests für Laboratorien weltweit eichen zu können, werden mit der WHO und dem Paul-Ehrlich-Institut Standardpräparate für HBV und HDV entwickelt.