Frauen, die vergewaltigt wurden, benötigen besondere Hilfe: eine Schwangerschaft muss verhütet, die HIV-Prophylaxe eingeleitet werden. Mindestens ebenso wichtig sind die psychologischen Hilfen sowie die Dokumentation und Behandlung von Verletzungen. In Südafrika, wo sehr viele Vergewaltigungen stattfinden, suchen nur wenige Frauen nach einer Vergewaltigung fachliche und medizinische Hilfe. Das liegt auch daran, dass nur relativ wenige Hilfestellen zur Verfügung stehen und diese auch von unterschiedlicher Qualität sind.

In einer südafrikanischen Studie wurde nun untersucht, wie medizinische und andere Hilfeleistungen aussehen müssen, damit sie von betroffenen Frauen nachgefragt werden. 319 zufällig ausgewählte Frauen im Durchschnittsalter von 22 Jahren nahmen an der Untersuchung teil. 155 von ihnen waren vergewaltigt worden, die anderen nicht. Etwa die Hälfte der Frauen aus beiden Gruppen stammte aus einem ländlichen Gebiet, die anderen aus einer Großstadt.

Es zeigte sich, dass die Anlaufstellen für vergewaltigte Frauen sowohl im ländlichen Gebiet von Thohoyandou wie auch in der Großstadt Kapstadt den Frauen HIV-Prophylaxe anboten, allerdings häufiger in Kapstadt. In der Großstadt erhielten die Frauen zudem häufiger eine vorbeugende Therapie gegen sexuell übertragbare Erkrankungen sowie eine Notfall-Kontrazeption. In Kapstadt beendeten mehr Frauen ihre HIV-Prophylaxe und ließen sich häufiger bei einem zweiten Besuch HIV-testen als Frauen im ländlichen Thohoyandou.

Den Frauen war es offenbar besonders wichtig, eine ordentliche HIV-Prophylaxe zu erhalten und mit einem sensiblen Berater oder einer Beraterin sprechen zu können. Außerdem legten sie häufig großen Wert auf eine gründliche Untersuchung, die in einem Gerichtsprozess genutzt werden könnte. Andere Faktoren wie die Erreichbarkeit der Klinik oder Beratungsstelle waren den betroffenen Frauen weniger wichtig.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 209-213