09/11/2006

Spectaris Industrieverband e.V.

Medizintechnik braucht echte Reformen

Inlandsentwicklung verdeutlicht gesundheitspolitische Fehlentwicklung

Düsseldorf / Berlin, 09. November 2006 (SPECTARIS) - Nach einer aktuellen Prognose können die deutschen Medizintechnik-Unternehmen ihren Erfolgskurs auch im laufenden Jahr fortsetzen. Bei einem schwachen Inlandsumsatz sorgt jedoch erneut hauptsächlich das Auslandsgeschäft für ein erfreuliches Ergebnis. Für 2006 wird mit einem Umsatzplus in Höhe von 11 % auf 16,3 Milliarden Euro gerechnet. Die Diskrepanz zwischen Exporten und Heimatmarkt verdeutlicht die anhaltenden Probleme im deutschen Gesundheitswesen. Dies erklärte SPECTARIS-Hauptgeschäftsführer Sven Behrens im Vorfeld der Leitmesse MEDICA, die vom 15. - 18. November in Düsseldorf stattfindet.

Während beim Auslandsumsatz von einem Zuwachs um 16 % auf etwa 10,6 Milliarden Euro ausgegangen wird, liegt die Prognose beim Inlandsgeschäft lediglich bei einem schwachen Plus von rund 3 % auf 5,7 Milliarden Euro. Die Exportquote läge damit bei über 65 %. Die Beschäftigtenzahl in den rund 1.200 Betrieben (2005: 1.236) wird voraussichtlich mit 87.300 Mitarbeitern etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Die Medizintechnik ist ein Zukunftsmarkt, der durch Faktoren wie eine rasch wachsende und alternde Weltbevölkerung, eine stärkere Professionalisierung und Kommerzialisierung von Gesundheits- und Pflegeleistungen sowie weiterhin steigende Gesundheitsausgaben - in Entwicklungsländern durch wachsende Patientenzahlen, in Industrieländern durch die Nachfrage nach modernsten Behandlungsmethoden bzw. dem Trend zu privat bezahlten Eingriffen - positiv beeinflusst wird. Schätzungen gehen für den Zeitraum bis 2010 von einer langfristigen jährlichen Wachstumsrate des Weltmarktes für Medizintechnik von rund 4-5 % aus.

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die hohe Innovationskraft der Branche stehen dabei allerdings im Gegensatz zur schwachen Entwicklung des Inlandsmarktes. Hier liegt eine Gefahr für den Standort Deutschland. Entsprechend gedämpft sind daher die Erwartungen der deutschen Medizintechnik-Industrie für das Inland, wo auch im kommenden Jahr nicht mit einer spürbaren Verbesserung gerechnet wird. So zeigt sich zum Beispiel im Hilfsmittelbereich ein massiver Preisverfall. Ohne Rücksicht auf die Produktqualität und den Produktservice nutzen die Krankenkassen hier ihre Machtposition und üben massiven Druck auf die Preise aus. Dies begünstigt nicht nur Billigimporte aus Asien und gefährdet damit Arbeitsplätze, sondern geht vor allem zu Lasten der im Hilfsmittelbereich besonders schutzbedürftigen Patientinnen und Patienten. Auch im Investitionsgüterbereich (Krankenhaus und Arztpraxen) sieht es hierzulande nicht viel besser aus. Dringend notwendige Investitionen werden auch weiterhin nicht getätigt. Diese massive Investitionszurückhaltung hat ihre Ursache in einem durch Gesetzgebung, Kostenreduzierung, Budgetierung sowie durch die Einführung von DRG-Fallpauschalensystem und Integrierter Versorgung stark verunsicherten Markt. Gerade an die dringend notwendigen Investitionen wird - fälschlicherweise - zu oft an letzter Stelle gedacht. Stattdessen wird veraltete Technik repariert.

SPECTARIS-Hauptgeschäftsführer Sven Behrens: "Angesichts eines Investitionsstaus in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen von bis zu 30 Milliarden Euro muss eine substanzielle politische Lösung für das Gesundheitswesen gefunden werden, die - anders als bislang vorgesehen - zur Schaffung eines klar wettbewerbsorientierteren Gesundheitsmarktes, zu investitionsfreundlicheren Rahmenbedingungen und zu mehr Patientenorientierung führt. Deutschland besitzt die notwendigen Voraussetzungen und Potenziale, um sich mittelfristig als Gesundheitsmarkt Nr. 1 der Welt zu positionieren. Innovative Medizintechnik leistet dabei einen entscheidenden Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität der Patienten, zur Senkung von Behandlungskosten und zur Erhöhung von Effektivität und Effizienz im Gesundheitswesen. Ein funktionierender Inlandsmarkt ist im Übrigen mittel- und langfristig auch die Voraussetzung für den Erhalt der Spitzenposition der deutschen Medizintechnik im Ausland."


Markus Saga
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