13.04.2005

Spectaris e.V., Industrieverband

Medizintechnik mit guter Gesamtentwicklung

Umsatzsteigerung durch hohes Auslandswachstum / Inlandsmarkt aber schwach

Die deutsche Medizintechnik-Industrie konnte ihren Gesamtumsatz im Jahr 2004 auf 13,6 Milliarden Euro (+8,1 %) erneut steigern. Knapp 90.000 Menschen (+2,8 %) waren im vergangenen Jahr bei den 1.221 deutschen Medizintechnik-Herstellern (2003: 1.183) beschäftigt.

Das überdurchschnittlich hohe Wachstum des Auslandsumsatzes um 15,8 % auf 7,9 Milliarden Euro sowie die Exportquote von inzwischen über 58 % sind dabei klare Signale für die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hightechprodukte dieser Branche. Dies erklärte SPECTARIS-Hauptgeschäftsführer Sven Behrens anlässlich des morgigen MedTech-Days der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.

Auch für das laufende Jahr sind die Erwartungen an das Auslandsgeschäft optimistisch. Prognostiziert werden Zuwachsraten im zweistelligen Bereich. Doch nicht nur die Qualität und Innovation der Produkte dieser Branche werden national und international geschätzt, auch beim Service stellen die deutschen Hersteller ihre Leistungsfähigkeit immer wieder unter Beweis.

So sind mehr als 90 % der deutschen Krankenhäuser mit der Arbeit der Medizintechnik-Unternehmen zufrieden. Nach den Ergebnissen einer Studie zur Servicequalität im Krankenhaus der Unternehmensberatung Droege & Comp liegen die Gründe vor allem in der Schnelligkeit, der Zuverlässigkeit und dem unbürokratischen Service der Firmen.

Problematisch für die weitere Entwicklung der gesamten Medizintechnik-Industrie bleibt allerdings der Inlandsmarkt, wo sich die Gesundheitsreform bislang eher als Konjunkturbremse erwiesen hat. Der im Jahr 2004 um 1 % auf 5,7 Milliarden Euro rückläufige Inlandsumsatz der Medizintechnik-Industrie verdeutlicht die angespannte Lage des Gesundheitsmarktes in Deutschland.

Ein hohes Maß an Verunsicherung bei Ärzten, Krankenhäusern und Kostenträgern in der unübersichtlichen gesundheitspolitischen Gesamtsituation führt zu einer Verschiebung längst fälliger Ersatz- und Neuinvestitionen. Das schadet den Patienten, dem zukunftsfähigen deutschen Gesundheitsmarkt und letzten Endes dem Steuerzahler.

Am schlimmsten hat es dabei im Inland die gesamte Hilfsmittelindustrie getroffen, die einen massiven Preisverfall und in Teilbereichen einen Umsatzrückgang von bis zu 40 % verzeichnet. Während sie um ihr wirtschaftliches Überleben kämpft, spielen gerade hier die Krankenkassen ihre Machtposition gnadenlos aus und drücken die Preise ohne Rücksicht auf die Produktqualität. Dies geht nicht nur zu Lasten der Industrie, sondern vor allem zu Lasten der im Hilfsmittelbereich besonders schutzbedürftigen, behinderten Patientinnen und Patienten.

Entsprechend kritisch sind daher im Gegensatz zum Auslandsgeschäft auch die Erwartungen der deutschen Medizintechnik-Hersteller für das Inland im laufenden Jahr. Im besten Fall wird hier mit einer Stagnation gerechnet. Ein Großteil der Firmen geht jedoch derzeit von einem weiter rückläufigen Ergebnis aus.

In der Summe kann man jedoch aufgrund der positiven Auslandsentwicklung auch 2005 aller Voraussicht nach wieder von einem steigenden Gesamtumsatz ausgehen. Die problematische Lage auf dem Inlandsmarkt hingegen gefährdet nicht zuletzt auch den Produktionsstandort Deutschland.

Dadurch wird zudem die Chance auf einen wesentlichen Beitrag zur Kostensenkung und zur Qualitätssteigerung in der Gesundheitsversorgung durch den Einsatz von modernen medizintechnischen Produkten vergeben.