Auf der "12th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections" wurden jetzt neue Daten der "Data Collection on Adverse Events of Anti-HIV Drugs (D:A:D)"-Studie vorgestellt, an der 23.000 HIV-Infizierte aus elf Kohorten in ganz Europa teilnehmen. Diese Studie wird von Wissenschaftlern des "Copenhagen HIV Program" geleitet.

Gemäß dieser Studie liegt das Myokardinfarktrisiko bei therapie-naiven HIV-Infizierten zunächst bei 1.39 pro 1.000 Patientenjahren. Die Inzidenz steigt aber auf 2.53 pro 1.000 Patientenjahre bei jenen, die bis zu einem Jahr mit HAART therapiert werden. Dauert die Behandlung mehr als sechs Jahre, steigt die Inzidenz gar auf 6.07 pro 1.000 Patientenjahre. HAART hat keinen Einfluss auf die Art des Myokardinfarktes. Auch das Alter der Patienten beeinflusst das Risiko nicht signifikant.

Ein Teil dieses Effektes erklärt sich durch den Anstieg der Cholesterin-Spiegel, welcher unter HAART beobachtet wird. Dies kann jedoch nach Auskunft der Studienleiter den Anstieg der Myokardinfarkt-Inzidenz nicht vollständig erklären.

Spanische Wissenschaftler forderten deshalb auf der Konferenz, vor dem Beginn einer HAART das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten zu bestimmen und diesen Herz-Kreislauf-Check einmal jährlich sowie beim Wechsel der Therapie zu wiederholen. Außerdem sollte der Arzt seinen Patienten zu einem mediterranen Ernährungsstil raten: viel Gemüse und Früchte, wenig Fett, vor allem wenig gesättigte Fettsäuren. Gegebenenfalls, so die Experten, sollte man HAART mit einer lipidsenkenden Therapie verbinden. Helfen könnte vielleicht auch der Umstieg von einem Proteasenhemmer zu einem nicht-nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmer.

MEDICA.de; Quelle: 12th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infection Abstract 42 and Symposium on ART and HAART