Mehr Schlagkraft gegen Krebs

Foto: Maus

Diese Maus verfügt über Bestandteile
des menschlichen Immunsystems zur
Krebsbekämpfung;© SFB-TR 36

Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass das Immunsystem die Krebszellen zerstören kann. Die Forscher entwickelten eine Maus mit einem ganzen Arsenal dieser T-Zell-Rezeptoren des Menschen. Ziel ist, diese Rezeptoren für eine gezielte Immuntherapie bei Patienten einzusetzen.

Die T-Zellen des Immunsystems tragen auf ihrer Oberfläche Rezeptoren, mit deren Hilfe sie dafür sorgen, dass das Immunsystem fremde Eindringlinge bekämpft und zerstört. Gleichzeitig müssen T-Zellen aber körpereigenes Gewebe tolerieren. Bei Krebserkrankungen jedoch scheint das Immunsystem an die Leine gelegt. Krebszellen stammen aus körpereigenem Gewebe, weshalb das Immunsystem sie nicht erkennt. Und das, obwohl Krebszellen häufig auch Merkmale (Antigene) tragen, die sie als Tumorzellen kenntlich machen.

Die Toleranz gegenüber Krebszellen wollen Professor Thomas Blankenstein und seine Mitarbeiter durchbrechen. Sie nutzen einen Prozess, der in Säugetieren aus unreifen T-Zellen reife Immunzellen macht. Unreife T-Zellen haben noch keinen T-Zell-Rezeptor. Sie müssen deshalb aus dem Knochenmark in den Thymus wandern. In dieser Drüse, die Teil des Immunsystems ist, lagern sich die Gene des T-Zell-Rezeptors, mit dem die T-Zelle das Antigen erkennt, nach dem Zufallsprinzip um.

Jede der millionenfach produzierten T-Zellen prägt nur einen T-Zell-Rezeptor auf der Zelloberfläche aus, mit dem ein Antigen erkannt wird. Im Thymus wird aber auch sichergestellt, dass alle T-Zellen, die körpereigene Strukturen erkennen, ausgeschaltet werden. T-Zellen, die spezifisch für fremde Antigene sind, werden von diesen Toleranzmechanismen verschont. Die Maus, beispielsweise, entwickelt keine Toleranz gegen Antigene menschlicher Krebszellen.

Blankenstein und seine Mitarbeiter haben DNA-Bausteine des Menschen vermehrt und in die Maus geschleust. Mit den mit humaner DNA beladenen züchteten sie transgene Mäuse, die auf ihren T-Zellen alle möglichen T-Zell-Rezeptoren des Menschen bilden. „Diese humanen T-Zell-Rezeptoren in der Maus erkennen humane Antigene menschlicher Krebszellen. Für die Mäuse sind humane Tumorantigene fremd, erläutert Blankenstein das Ergebnis. „Solche hochwirksamen T-Zell-Rezeptoren gibt es beim Menschen nicht. Sie werden beim Menschen zerstört, um zu verhindern, dass sie körpereigene Strukturen angreifen. Übrig bleiben nur T-Zellen mit weniger wirksamen T-Zell-Rezeptoren“, betont er.

Ziel ist, „hoch-affine“ humane T-Zell-Rezeptoren der Maus, für die menschliche Krebs-Antigene fremd sind, zu isolieren und in die T-Zellen von Krebspatienten einzuschleusen. Dadurch sollen die wirkungslosen T-Zellen der Patienten hochwirksam für die Zerstörung der Krebszellen gemacht werden.


MEDICA.de; Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch