Mehr Spenderlungen durch warme Konservierung

Foto: Lunge

Die erste erfolgreiche Lungentrans-
plantation fand 1983 in Toronto
statt;© panthermedia.net/lightwise

Seit der ersten erfolgreichen Lungentransplantation 1983 in Toronto in Kanada verpflanzen Ärzte das Atemorgan immer häufiger. „Inzwischen hat sich das Verfahren für Patienten mit fortgeschrittenen Lungenerkrankungen gut etabliert“, sagt Doktor Dirk Wagnetz vom Universitätsklinikum Freiburg. Der aufwendigen Operation unterziehen sich Menschen, die unheilbar krank sind: Sie leiden an einem Lungenemphysem, bei dem die Lungenbläschen überblähen und nicht mehr zum Gasaustausch fähig sind. Auch bei Lungenfibrose verlieren diese winzigen Alveolen ihre Funktion, da sie Bindegewebe einlagern und versteifen. Bei der angeborenen Mucoviszidose bildet sich in der Lunge zäher Schleim.

Der Organspendevorgang auf der Intensivstation gestalte sich bei der Lunge besonders schwierig, so die Experten der DGT: Nur jeder fünfte Organspender eigne sich überhaupt dafür, eine Lunge zu spenden. „Dementsprechend spielt die Organverteilung eine sehr wichtige Rolle“, erläutert Wagnetz. Deshalb gilt seit Dezember 2011 auch in Deutschland ein neues Verteilungsverfahren, der sogenannte Lung Allocation Score (LAS). Danach bestimmt nicht allein die Wartezeit des Patienten, ob er das nächste verfügbare Organ bekommt.

Stattdessen entscheiden Dringlichkeit und Erfolgsaussichten über die Vergabe. Denn sehr schwer und unheilbar erkrankte Patienten haben auch mit einer neuen Lunge möglicherweise geringe Überlebenschancen. Um mehr Lungen für die Transplantation nutzbar zu machen, konservieren Transplantationsmediziner das Organ nach der Entnahme neuerdings körperwarm anstatt wie bislang eisgekühlt. Dadurch lässt sich dessen Qualität sicherer feststellen. Auf diese Weise kommen mehr Lungen für eine Transplantation in Frage. „Hier könnte es in Zukunft zu einem Paradigmenwechsel in der Organkonservierung kommen“, sagt Wagnetz.

Zwar sind die Erfolge von Lungentransplantationen in den letzten Jahren gestiegen: „Doch leider ist das Fünf-Jahres-Überleben mit etwa 54 Prozent unverändert geblieben“, bedauert Wagnetz. Denn bei vielen Patienten stößt der Körper das fremde Organ ab. Dadurch verliert die Lunge über Jahre hinweg ihre Funktion. „Wir arbeiten intensiv daran, diesen Abstoßungsmechanismus zu verstehen“, sagt Wagnetz. Je stärker sich die körpereigene Abwehr medikamentös hemmen ließe, desto länger bliebe die Spenderlunge erhalten.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)