Die Wirkstoffklasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) hat sich einen festen Platz in der Therapie der Depression erobert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man ihnen eine große therapeutische Sicherheit und ein geringeres Risiko für Suizide zuschrieb. Bereits in den 90er Jahren wurde dies jedoch in Frage gestellt. Der Zusammenhang zwischen SSRI-Einnahme und Suizidalität konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, da die Zahl der Probanden in den einschlägigen Studien oft zu klein war, um einen solchen Zusammenhang aufzuzeigen.

Nun wurden die Zahlen aus verschiedenen placebo-kontrollierten Studien mit insgesamt 87.650 Patienten in einer Meta-Analyse zusammen gefasst. Alle Studien verglichen SSRI mit Placebo oder trizyklischen Antidepressiva oder anderen antidepressiven Strategien. 702 Studien entsprachen den geforderten Kriterien.

Die Meta-Analyse zeigte: Unter den SSRI steigt die Zahl von Suizidversuchen im Vergleich zu Placebo signifikant um mehr als das Doppelte an (relatives Risiko: 2,28, p gleich 0.02). Die Studienleiter unterschieden auch nach tödlichen und nicht-tödlichen Suizidversuchen. Während die Zahl der nicht-tödlichen Suizidversuche unter SSRI deutlich über jener unter Placebo lag (relatives Risiko: 2,7, p gleich 0.01) zeichnete sich bei den tödlichen Suizidversuchen dagegen keine Risikoerhöhung ab (relatives Risiko: 0.95). SSRI führen nicht häufiger zu Suizidversuchen als trizyklische Antidepressive (relatives Risiko: 0.88), aber häufiger als andere antidepressive Therapien.

Die Studienleiter weisen darauf hin, dass einige der Studien methodologisch schwach waren. Die Daten reichen aber aus, um sagen zu können, dass SSRI tatsächlich das Risiko von Suizidversuchen erhöhen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 330, S. 396