12.10.2010

Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein

Mehr Zeit fürs Gespräch, weniger Medikamente: Kinder mit ADHS bekommen eine bessere Behandlung

Düsseldorf, 6.10.2010 – Über 600 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an ADHS. Hinter dem „Zappelphilipp“ steckt aber oft eine ungesicherte Diagnose des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivi tätssyndroms (ADHS), die dazu verleiten kann, die Erkrankung vorschnell mit Medikamenten zu behandeln. Von ADHS betroffene Kinder – meist Jungen – zeigen eine ziellose Überaktivität bei verkürzter Aufmerksamkeitsfähigkeit.

Ein neuer Versorgungsvertrag für Kinder und Jugendliche mit ADHS zwischen der AOK Rheinland / Hamburg, der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein (BVKJ) und dem Bündnis der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Nordrhein-Westfalen (für Vertragsmodule) macht jetzt eine strukturierte, interdisziplinäre Behandlung möglich. Einer der Kernpunkte lautet, die Behandlung zunächst ohne Medikamente zu versuchen. In Nordrhein leiden etwa 40.000 Kinder und Jugendliche unter dem Aufmerksamkeitsdefizit- (ADS) bzw. Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS).

Der neue Vertrag für Patienten von sechs bis 17 Jahren beinhaltet vor allem eine verbesserte Diagnostik, Elternschulungen, eine koordinierte Zusammenarbeit von Ärzten und Psychotherapeuten, einen leichteren Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung und einen streng kontrollierten Medikamenteneinsatz.

Cornelia Prüfer-Storcks, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland / Hamburg, erklärte: „Wir suchen die Zusammenarbeit mit besonders erfahrenen Kinder- und Jugendärzten und Psychotherapeuten, um die Versorgung der Kinder und Jugendlichen deutlich zu verbessern. Im Vordergrund steht mehr Zeit für die Patienten und ihre Familie statt vorschneller Medikamentengabe.“

„Die von ADHS betroffenen Kinder brauchen ein umfassendes Betreuungskonzept“, so Bernd Brautmeier, Vorstand der KV Nordrhein. „Der neue Vertrag sieht daher eine enge Zusammenarbeit zwischen Pädiatern und Psychotherapeuten vor. Auch die Eltern werden einbezogen.“

Weitere Informationen finden Sie unter www.kvno.de