Mehr als nur Melancholie

Foto: Traurige Frau

Die ersten Tage nach der Geburt
können Frauen aus der Bahn werfen;
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Letztere manifestiert sich meist innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt. Eine Rolle bei diesem Stimmungsabfall spielt, wie bei anderen Depressionen auch, eine zu geringe Konzentration von Neurotransmittern im Gehirn. Julia Sacher vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und ihr Kollege Jeffrey H. Meyer vom Centre for Addiction and Mental Health, Kanada, konnten in einer aktuellen Studie zeigen, dass ein Anstieg des Enzyms MAO-A ein ausschlaggebender Faktor bei der Entstehung der Wochenbettmelancholie ist.

Die Geburt ihres Kindes ist für die meisten Frauen einer der glücklichsten Tage in ihrem Leben. Umso unverständlicher erscheint es, dass fast drei Viertel aller Mütter kurz nach der Geburt in tiefer Melancholie versinken. Die Gründe dafür waren lange Zeit unklar.

Inzwischen weiß man, dass der Östrogen-Spiegel innerhalb der ersten Tage nach der Geburt um das 100- bis 1000-Fache abfällt. Proportional steigt dagegen der Anteil des Enzyms Monoamin-Oxidase A (MAO-A). Man findet das Enzym mit deutlich erhöhter Konzentration in Gliazellen und Neuronen. Dort baut es die Neurotransmitter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin ab. Diese Neurotransmitter sind für unsere Stimmung verantwortlich. Fehlen sie, werden wir erst traurig, später vielleicht depressiv.

Mithilfe der Positronen-Emissions-Tomografie maßen die Forscher die Verteilung eines radioaktiv markierten Liganden im Gehirn, der sehr spezifisch und mit hoher Affinität an das Enzym Monoamin-Oxidase A bindet. Sie fanden heraus, dass der Anteil an MAO-A im Gehirn von Frauen, die gerade geboren hatten, durchschnittlich 43 Prozent höher lag als bei der Kontrollgruppe.

Um die Wochenbettdepression zu verhindern, bieten sich verschiedene Therapieansätze an. Zum einen kann man versuchen, die starke Aktivität von MAO-A zu erniedrigen, zum anderen könnte eine Erhöhung der Konzentration an Neurotransmittern die Stimmung wieder aufhellen. Beide Möglichkeiten haben das Ziel, den Spiegel an Neurotransmittern im Gehirn nach der Geburt hoch zu halten.


MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft