Bild: Kopf einer Frau  
Eine Stottertherapie verändert
die Hirnaktivität; © SXC

Beim Stottern handelt es sich um eine neurophysiologisch bedingte Koordinationsstörung mit falschen, hochgradig automatisierten Sprechmustern. Betroffene trainieren deshalb in Stottertherapien oft neue motorische Sprechmuster oder üben, aus dem "Stottermuster" heraus zu kommen.

Forscher konnten mit Hilfe des bildgebenden Verfahrens der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) zeigen, dass Stotterer Minderaktivierungen in den Sprachregionen der vorderen linken Hirnhälfte aufweisen, während sich zur selben Zeit ausgedehnte Mehraktivierungen vor allem in der rechtsseitigen Hirnhälfte, unter anderem dem rechten frontalen Operculum (RFO), zeigen. Nach einer erfolgreichen stotterreduzierenden Fluency-Shaping-Therapie konnten die Forscher bei den untersuchten Stotterern noch ausgedehntere Mehraktivierungen im Gehirn nachweisen, die nun aber mehr in linksseitigen Sprachgebieten und in Hörregionen lagen.

Das RFO, das rechtsseitige Pendant linksseitiger Sprachgebiete, das offensichtlich einen spontanen Kompensationsmechanismus für das Stottern beherbergt, war nun weniger aktiv. Eine solche Aktivierungsverlagerung durch eine erfolgreiche Therapie zeigt damit wahrscheinlich die Reorganisation und -formierung linksseitiger neuronaler Netzwerke an, die primär in die Sprechprozesse einbezogen sind. Die Wissenschaftler werten diesen Aktivierungsschub in ihrer Läsions-Kompensations-Theorie als Beleg für die Effektivität einer dauerhaften Stottertherapie nach dem Fluency-shaping-Prinzip.

Aus den Erkenntnissen des Frankfurt-Kasseler-Forscherverbunds folgt, dass das Gehirn bei Stotterern naturgemäß spontan rechtshemisphärisch, insbesondere über das RFO, damit aber nicht langfristig effektiv für die Redeflussstörung kompensiert. Im Verlaufe einer erfolgreichen Fluency-shaping-Therapie setzt das Gehirn der Stotterer neben ausgedehnten rechtshemisphärischen Mehraktivierungen mehr linkshemisphärische Netzwerke ein und kompensiert so das Stottern effektiver. Es wurde auch gezeigt, dass sich längere Zeit nach der Therapie und einhergehend mit einer leichten Rückkehr von Sprechunflüssigkeiten der Kompensationsmechanismus wieder verstärkt zur rechten Seite und zum RFO verlagert.

MEDICA.de; Quelle: Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M