Mehrheit der Tumorpatienten möchte zu Hause sterben

Auch die letzte Entscheidung
im Leben ist wichtig
© Hemera

Wollen Patienten auch an ihrem Lebensende partnerschaftlich mit dem Arzt über die medizinische Behandlung entscheiden? Dieser Frage ging ein Modellvorhaben der Universitätsklinik Jena nach. Die Projektmitarbeiter entwickelten dazu einen standardisierten Fragebogen, mit dem sie Tumorpatienten mit einer ärztlich eingeschätzten Lebenserwartung von maximal zwölf Monaten mehrfach persönlich befragten. Hinzu kamen Interviews mit Angehörigen und Ärzten. Bei der Befragung wurden auch Sterbeort und Sterbeumstände, Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen erhoben.

Im Ergebnis wünscht die Hälfte der Patienten (50%) eine partizipative Entscheidungsfindung, 20 Prozent möchten die letzte Entscheidung über die medizinische Behandlung selber treffen, die übrigen 30 Prozent möchten den Arzt entscheiden lassen. "Dass über die Hälfte der Tumorpatienten eine gemeinsame Entscheidung für sich bevorzugt, bestätigt das Bedürfnis an Partizipation", erklärte Projektleiterin Dr. Birgitt van Oorschot, Strahlentherapeutin im Universitätsklinikum Jena.

Die Befragung ergab darüber hinaus, dass mit 75 Prozent die weit überwiegende Anzahl von Tumorpatienten zu Hause sterben möchte, in der eigenen Wohnung. Nur 15 Prozent gaben als gewünschten Sterbeort das Krankenhaus an. Dem steht eine andere Wirklichkeit gegenüber: Nur 33 Prozent der Patienten verstarben tatsächlich in einer Privatwohnung, acht Prozent im Alten- oder Pflegeheim, 59 Prozent hingegen im Krankenhaus.

Fakt ist: Bei allen Patienten, die zu Hause verstarben, war dieser Wunsch den Angehörigen bekannt. Auch Tumorkranke mit einer Patientenverfügung starben sehr viel häufiger an dem von ihnen gewünschten Ort. "Wer also dafür Sorge tragen will, dass er tatsächlich zu Hause versterben kann", bilanziert Birgitt van Oorschot, "muss diesen Wunsch rechtzeitig den Angehörigen oder dem Arzt mitteilen."

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena