Das hat jetzt Dr. Marcel G. Smits vom Hospital Gelderse Vallei in Ede herausgefunden, als er 105 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren untersuchte. Alle litten an einer ADHD, die bislang noch nicht medikamentös behandelt worden war. Randomisiert erhielten die Kinder entweder Melatonin oder Placebo. Die Melatonindosis wurde dabei an das Körpergewicht der Kinder angepasst: Bei weniger als 40 Kilogramm Körpergewicht erhielten sie drei Milligramm Melatonin beziehungsweise sechs Milligramm, wenn das Körpergewicht über 40 Kilogramm lag. Die Kinder nahmen ihre Medikation um 19 Uhr am Abend ein. Sie durften zu Bett gehen, wann immer sie sich müde fühlten. Die Studie dauerte vier Wochen.

Im Vergleich zur Ausgangslage schliefen die Kinder nach der vierwöchigen Melatonintherapie durchschnittlich 27 Minuten früher ein. Die Kinder unter der Placebogabe dagegen zehn Minuten später als zuvor (p kleiner 0.0001).

Es besserte sich auch die Gesamt-Schlafzeit: Unter Melatoningabe stieg sie um durchschnittlich 19.8 Minuten, sank aber um durchschnittlich 13.6 Minuten nach Placebogabe (p gleich 0.01). Dabei schien die Melatoningabe keinerlei unangenehme Nebenwirkungen zu haben.

Enttäuschung allerdings, als man die Kinder nach der vierwöchigen Therapie in Bezug auf die Symptome der ADHD untersuchte: Bei keinem der Kernprobleme der ADHD hatten sich die Kinder unter der Melatoningabe signifikant verbessert: Sie waren nach wie vor leicht reizbar und hatten noch immer große Aufmerksamkeitsstörungen. Auch was das übrige Verhalten anbelangte: Melatonin konnte keinerlei Nutzen bringen.

Die Studienleiter empfehlen daher, Kindern mit ADHD nur dann Melatonin zu verschreiben, wenn sich die Einschlafstörungen auf deren Leben sowie auf das Leben ihrer Eltern stark negativ auswirken.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry 2007, Vol. 46, S. 233-241