Melatonin hilft dem Sandmann nicht

Kein Wundermittel für den erholsamen
Schlaf; © Hemera

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Klagen in hausärztlichen Praxen. Sie haben negative Auswirkungen auf Lebensqualität und Produktivität. Neben den einschlägigen Wirkstoffen werden auch immer häufiger alternativmedizinische Therapien eingesetzt. Zu den populärsten Wirkstoffen, zumindest in den USA, gehört das Melatonin. Dieses Hormon wird im Körper gebildet und hat einen wichtigen Einfluss auf den zirkadianen Rhythmus des Körpers.

In einer großen Meta-Analyse wurde jetzt untersucht, inwiefern das Melatonin tatsächlich einen Einfluss auf sekundäre Schlafstörungen wie zum Beispiel bei Schichtarbeitern oder beim „Jet-Lag“ hat. Dazu unterzogen Wissenschaftler 13 Studien aus den Jahren 1999 bis 2003 einer Re-Analyse.

Sechs randomisierte Studien mit 97 Patienten konnten keinerlei Zusammenhang zwischen der Einnahme von Melatonin und der Einschlafzeit feststellen. Alle Patienten litten an sekundären Schlafstörungen. Neun randomisierte Studien mit 427 Patienten konnten nicht nachweisen, dass Melatonin bei Patienten unter Schlafentzug die Einschlafzeit oder die Schlafqualität verbessert. 17 weitere Studien mit 651 Patienten kamen zu wenigstens einem guten Ergebnis: Wenn man Melatonin kurzfristig einnimmt, das heißt bis zu drei Monate, muss man keinerlei Nebenwirkungen fürchten.

Diese Ergebnisse sind enttäuschend für alle jene Vielflieger oder Schichtarbeiter, die sich mit dem vermeintlichen „Wundermittel“ Melatonin zumindest eine Linderung ihrer Schlafstörungen erhofft hatten. Allerdings weisen die Studienleiter darauf hin, dass die untersuchten Studien in der Regel nur kurzfristig waren. Möglicherweise, so schreiben sie, konnte das Melatonin in dieser kurzen Zeit seine Wirkung noch nicht ganz entfalten.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 385-393