Meldesystem für Krankenhausinfektionen

Foto: Alarmsignal

Im landesweiten Netzwerk "Alarm
Nets" koordiniert Thüringen Infor-
mationen über Krankenhaus-
infektionen und resistente Keime;
©panthermedia.net/Huseyin Bas

Im Rahmen des Netzwerks werden zum ersten Mal in Deutschland in einem Bundesland die Daten von Patienten landesweit zusammengeführt, bei denen krankheitsauslösende Keime im Blut nachgewiesen wurden. In einem zweiten Schritt werden die Netzwerkpartner dann gezielt Schritte zur nachhaltigen Infektionsprävention und verbesserten Diagnostik ausbauen und diese anschließend überprüfen.

„Durch das gemeinsame Netzwerk können wir nun ein landesweites Meldesystem für Blutstrominfektionen entwickeln, also für die tatsächlich festgestellten Infektionen anhand der analysierten Blutkulturproben. Damit wird erstmals eine Übersicht aller Blutstrominfektionen in Thüringen zur Verfügung stehen. Wir können gemäß den Anforderungen der Thüringer Hygieneverordnung ganz gezielt Patientengruppen identifizieren und daraufhin die zusätzlichen präventiven und diagnostischen Bemühungen ausrichten und so langfristig die Anzahl der Infektionen, aber auch die Antibiotikaresistenz reduzieren“, erklärt Professor Frank Brunkhorst vom Universitätsklinikum Jena.

Die Teilnahme am Netzwerk ist freiwillig: „Umso mehr freut es uns, dass bislang 22 Kliniken sowie 14 Reha-Einrichtungen und 14 mikrobiologische Labore am Netzwerk teilnehmen“, sagt Brunkhorst. Er ist zuversichtlich, dass das Netzwerk weiter wächst. Der Sepsis-Experte leitet auch die seit 2011 laufende „Alerts“-Studie. In dem Projekt werden in den kommenden Jahren circa 75.000 Patienten des Uniklinikums Jena erfasst und systematisch auf Krankenhausinfektionen untersucht. Bestandteil der Studie sind umfassende Fortbildungsmaßnahmen zur Infektionsprävention und die Bewertung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Brunkhorst: „Dieser Ansatz wird nun mit dem gestarteten Alerts-Net auf ganz Thüringen ausgeweitet.“

Der Vorteil des Netzwerks betont Brunkhorst: „Erstmals in Deutschland werden so für die Patienten in einem Bundesland repräsentative Daten ermittelt, die exakten Aufschluss geben über die Art der Infektion, zum Beispiel welcher Keim die Infektion ausgelöst hat und welches Ausmaß die Antibiotikaresistenz in Thüringen aktuell hat. Außerdem wird die Art der verwendeten Antibiotikatherapie erfasst. Die geltenden Datenschutzbestimmungen werden dabei natürlich berücksichtigt.“

Doktor Roland Schmitz erklärt: „Unser Ziel ist es, dass möglichst alle stationären Einrichtungen Thüringens, also Kliniken und Reha-Einrichtungen, an dem Netzwerk mitmachen. Denn Infektionserreger wie zum Beispiel multiresistente Fäkalbakterien (ESBL), Methicilin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) oder andere Keime sind eine Gefahr für alle Patienten, egal wo sie gerade zur Behandlung sind. Und natürlich werden auch Patienten von einer Einrichtung in eine andere verlegt. Gerade daher ist ein solches Netzwerk wichtig und bietet auch die Möglichkeit, voneinander zu lernen. Und da es eine einheitliche Methodik bei der Erfassung gibt, sind auch belastbare Vergleiche möglich und der gezielte Einsatz von Verbesserungsmaßnahmen.“

Langfristiges Ziel ist auch die Etablierung eines „Gütesiegels“ für die Einrichtungen, die sich aktiv am Netzwerk beteiligen. Brunkhorst: „Zurecht fragen die Patienten heute danach, welche Strategien zur Infektionsprävention in einer Einrichtung verfolgt werden. Durch die gemeinsame Arbeit im Netzwerk können wir diese erforderliche Transparenz weiter ausbauen und natürlich einen wichtigen Beitrag zur Qualität der Patientenversorgung gemäß der Thüringer Hygieneverordnung leisten.“

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Jena