Bei Frauen steigt die Prävalenz von Gelenkschmerzen mit den Lebensjahren und ist am höchsten zwischen dem 50. und 59. Lebensjahr. Arthralgien sind das häufigsten Symptom der Menopause in asiatischen Ländern wie Hong Kong. Inwiefern der Abfall der Östrogenwerte zu diesen Gelenkschmerzen beiträgt, ist noch nicht genau geklärt, denn die Studien zum Zusammenhang zwischen Gelenkschmerzen und Östrogenersatztherapie brachten uneinheitliche Ergebnisse. Möglicherweise führt Mangel an Östrogen dazu, dass die Sensitivität gegenüber nozizeptiven Schmerzreizen steigt.

Da liegt die Frage nahe, ob auch die Aromatasehemmer, welche beim Mammakarzinom eingesetzt werden und die Östrogenbildung unterdrücken, zu menopauseartigen Arthralgien führen können.

Dazu untersuchten Wissenschaftler retrospektiv Daten verschiedener Studien, die zeigen: Unter Aromatasehemmern entwickeln sich bei Frauen gelegentlich muskuloskelettale Schmerzen und Gelenkschmerzen, die manchmal zum Therapieabbruch führen.

Man weiß wenig über den spezifischen Einfluss von Östrogen auf nozizeptive Zellen. Die besten Beweise dafür, dass erniedrigtes Östrogen Arthralgien verursachen kann, kommen aus Studien, die Aromatasehemmer mit Tamoxifen oder Placebo verglichen. Bei einer Vergleichsstudie zwischen Anastrozol und Tamoxifen zum Beispiel lag die Arthralgie-Rate bei 35,6 Prozent unter Anastrozol und 29,4 Prozent unter Tamoxifen (p kleiner 0.0001). Unter Letrozol kam es in 21,3 Prozent der Fälle zu Gelenkbeschwerden gegen 16,6 Prozent unter Placebo (p kleiner 0.0001). Setzte man die Aromatasehemmer ab, besserten sich die Gelenkbeschwerden meist deutlich.

Die Studienleiter warnen, dass die Gelenkbeschwerden unter Aromatasehemmern leicht als Osteoarthrose oder rheumatoide Arthritis fehlgedeutet werden könnten.

MEDICA.de; Quelle: Arthritis & Rheumatism 2005, Vol. 52, S. 2594-2598