Menschliche Antikörper als medizinische Wirkstoffe

07.11.2016

Vier Biotechnologen der Technischen Universität Braunschweig haben eine Methode entwickelt, um vollständig menschliche Antikörper in beliebiger Zahl und in hoher Qualität herzustellen. Damit erschließen sie neue Anwendungsmöglichkeiten für die Arzneiforschung, Diagnostik und Grundlagenforschung. Für ihre Entwicklung, die sie in einer eigenen Ausgründung, der Yumab GmbH, zur Marktreife führten, erhielten sie den mit 10.000 Euro dotierten Technologie-Transferpreis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig.

Bild: Graphische Darstellung von Antikörpern; Copyright: panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

Mit der patentierten Entwicklung des Phagendisplays können Tausende verschiedener Antikörper in sehr kurzer Zeit erzeugt und getestet werden; ©panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

Antikörper, auch Immunglobuline genannt, kennt man als Teil des Immunsystems. In den weißen Blutzellen gebildet, schützen sie Mensch und Tier vor schädlichen Fremdstoffen im Körper. An diese Fremdstoffe, zum Beispiel Viren oder Bakterien, können Antikörper andocken und sie somit unschädlich machen. Dabei kann unser Körper diese Schutzmoleküle praktisch gegen beliebig viele Fremdstoffe herstellen. Genau dies macht die Immunglobuline so interessant für Forschung, Diagnostik und Therapie. Das Anwendungsspektrum reicht von der Entwicklung neuer Medikamente über die Untersuchung des menschlichen Genoms bis etwa zum Nachweis von Substanzen in geringsten Konzentrationen. Voraussetzung für diese Anwendungen ist, dass die jeweils benötigten Antikörper in hoher Qualität zur Verfügung stehen.

Mit der patentierten Entwicklung des Phagendisplays machten die Braunschweiger Wissenschaftler um Professor Stefan Dübel, Dr. André Frenzel, Professor Michael Hust und Dr. Thomas Schirrmann dies möglich und schließlich auch im industriellen Maßstab handhabbar. Tausende verschiedener Antikörper können so heute in sehr kurzer Zeit erzeugt und getestet werden. Ein wichtiger Unterschied zu herkömmlichen Methoden ist auch, dass keine Tiere mehr zur Herstellung unserer Antikörper nötig sind.

Grundlage für die Entwicklung war das BMBF-Förderprojekt "Antibody Factory", das 2004 an der TU Braunschweig startete. Später kamen zahlreiche EU-Projekte hinzu. Im Verlauf dieser Arbeiten kristallisierte sich die Idee einer Unternehmensgründung heraus; 2012 wurde dann die Yumab GmbH ins Leben gerufen. Ihr gelang es, die Methode zu industrialisieren, in dem sie miniaturisiert, automatisiert und damit hochdurchsatzfähig wurde. Damit werden menschliche Antikörper sie für einen großen Kundenkreis für wenig Kapitaleinsatz deutlich schneller als zuvor verfügbar. Die Technologiereife des Transfergegenstandes ist mittlerweile durch den kommerziellen Erfolg nachgewiesen.

Preisträger Prof. Dübel meinte dazu: "Die Entwicklung der Yumab zeigt, was ein kleines, aber hochmotiviertes Team in einem geeigneten Umfeld schaffen kann. Dazu bot uns die TU Braunschweig mit den hervorragenden Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit, der Innovationsgesellschaft iTUBS, und überhaupt mit ihrer ganzen anwendungsorientierten Atmosphäre eine für Gründer hervorragende Ausgangssituation."

"Wir gratulieren dem Team rund um Prof. Dübel zum Technologietransferpreis der IHK Braunschweig. Für das Institut, die Ausgründung und die gesamte Universität ist dies eine große Anerkennung. Den Transfer von Forschungsergebnissen und Innovationen in die Gesellschaft sehen wir als Kernaufgabe", sagt Prof. Ulrich Reimers, Vizepräsident für Strategie und Technologietransfer der TU Braunschweig und ergänzt: "Am Beispiel dieser Entwicklung zeigt sich allerdings, dass der Weg von der Grundlagenforschung bis zum marktfähigen Produkt viele Jahre dauern kann. Der Erfolg bestätigt, dass sich die jahrelangen Anstrengungen gelohnt haben."

MEDICA.de; Quelle: Technische Universität Braunschweig
Mehr über die Technische Universität Braunschweig unter: www.tu-braunschweig.de