Messung hoher Frequenzen technisch jetzt möglich

Frequenz im Innenohr durch
Haarzellen verstärkt; © Hemera

Prof. Anthony Gummer und Dipl.-Phys. Marc Scherer von der Tübinger Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde konnten mit ihrer Untersuchung des Corti`schen Organs elementare Fragen zur Funktion des Innenohrs und speziell des cochleären Verstärkers beantworten.

Unter dem cochleären Verstärker versteht man die Erzeugung von mechanischer Kraft bei akustischen Frequenzen durch spezialisierte Zellen (äußere Haarzellen) und die Rückkopplung dieser Kraft in die Vibration des sensorischen Gewebes (cochleäre Partition). Diese Verstärkung führt zu einer deutlichen Zunahme von Empfindlichkeit und Frequenzauflösung und ist somit die Basis für die normale Funktion des Innenohrs.

Die beiden Forscher konnten an verschiedenen Stellen des Corti`schen Organs die elektromechanischen Eigenschaften und das Deformationsmuster bis zu Frequenzen von 50 kHz messen. Bis jetzt war es technisch nicht möglich, bei so hohen Frequenzen Messungen vorzunehmen.

Es zeigte sich, dass sich das Corti`sche Organ unter der Einwirkung der Kraft, die von den äußeren Haarzellen erzeugt wird, nicht wie bis jetzt angenommen als ganzes vergrößert, sondern dass sich das Gewebe wellenartig verformt. Die Kraftentwicklung der äußersten Haarzellen weise eine Resonanz oberhalb 10 kHz auf.

Außerdem fanden die Forscher, dass die äußeren Haarzellen deutlich breiter gestreut verstärken als man ursprünglich anhand von Untersuchungen an Einzelzellen angenommen hatte. Die Ergebnisse von Prof. Gummer und Dipl.-Phys. Scherer sind wichtige Grundlagen für die Entwicklung neuer Methoden der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Innenohrs.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Tübingen