Metformin gegen kindliche Adipositas gilt als problematisch

10.10.2014
Foto: Übergwichtige Familie

Starkes Übergewicht bei Kindern sollte frühzeitig behandelt werden; © panthermedia.net/fotoluminate

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind laut Daten des Robert Koch Instituts übergewichtig, etwa ein Drittel von ihnen erfüllen die Kriterien der Adipositas. Weil übergewichtige Kinder ein hohes Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Prävention wichtig.

Das Antidiabetikum Metformin hat diesbezüglich als Ergänzung zu Lebensstilinterventionen „großes Interesse geweckt“, berichtete bei der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Dr. Richard Eyermann (München).


Zu empfehlen sei der Einsatz des Medikaments für diese Zwecke allerdings nicht, so der Experte: „Im Kontext von anderen Therapieoptionen kindlicher Fettsucht hat sich Metformin als klinisch nicht bedeutsam erwiesen, der Effekt ist bescheiden. Die hohe Frequenz von gastrointestinalen Nebenwirkungen ist ein Warnsignal und legt nahe, den Off-Lable-Use von Metformin im Kindesalter weiterhin als problematisch zu sehen.“

Die Schlussfolgerung beruht auf einer Metaanalyse von 14 klinischen Studien, in denen Lebensstilinterventionen (Diät und Bewegung) bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen mit einer Kombination von Lebensstilinterventionen und dem für den Zweck der Gewichtsreduktion nicht zugelassenen Diabetesmedikament Metformin.
Der Hintergrund, warum das Antidiabetikum trotz fehlender Zulassung für diesen Zweck überhaupt zum Einsatz kommt, so Eyermann: „Vielen Kindern fällt es schwer, mit Diät und Bewegung signifikant an Gewicht zu verlieren.“ Das Anti-Adipositasmedikament Orlistat ist laut Europäischer Arzneimittelagentur EMA für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet. „Neue Ansätze sind daher erforderlich“, so der Experte. Wegen des deutlichen Gewichtsverlusts, den Erwachsene unter Metformin-Therapie erzielen, und wegen der Langzeiterfahrungen, die man bei Kindern ab 10 Jahren mit Diabetes mit dem Medikament gemacht hat.

In den analysierten, durchwegs kleinen Studien führte das Medikament bei adipösen Kindern „zu einer statistisch signifikanten, aber sehr moderaten BMI-Reduktion in Kombination mit Lifestyle-Interventionen über die kurze Untersuchungszeit“, so eine Schlussfolgerung des Experten. Eine größere Untersuchung sei notwendig, „um genauer potenzielle Subgruppen zu identifizieren, die von Metformin profitieren könnten“, und um verzerrende Faktoren wie etwa den Einfluss der Pubertät auf Ergebnisse ausschließen zu können.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.