Gegen Ende des zweiten Trimesters, also etwa in der 20. Schwangerschaftswoche, wachsen einem Ungeborenen Fötus Haare. Dieses Haar hat auch wie das Haar Erwachsener die Fähigkeit, Drogen und andere Substanzen zu speichern. Wenn man die Haare eines Fötus in diesem Zeitraum untersucht, gewinnt man also wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Substanzen die mütterliche Plazenta durchwandern und den Fötus treffen können.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Gideon Koren vom Hospital for Sick Children an der University of Toronto in Kanada hat nun mit Dr. F. Garcia-Bournissen und Kollegen die Akkumulation von Amphetaminen und anderen Drogen im Haar Ungeborener sowie im Haar ihrer Mütter untersucht.

Aus einer Datenbank von 8.270 Personen, die Methamphetamine missbrauchten, selektierten sie die Daten von elf Müttern und Kindern. Methamphetamin-Missbrauch ist offenbar oft mit anderen Süchten vergesellschaftet: So nutzten 83,5 Prozent der Amphethamin-Nutzer auch andere Drogen, meist Kokain. Bei anderen Drogen ist das nicht so: Nur 38 Prozent von Drogennutzern, die eine andere Droge als Amphethamine nutzen, zeigten auch Spuren anderer Drogen im Haar.

Erschreckende Ergebnisse für die Mütter-Kind-Paare, bei denen der mütterliche Missbrauch von Amphethaminen bekannt war: Während die Mütter durchschnittlich 1,75 ng/mg Methamphetamine im Haar hatten, lag dieser Wert bei ihren Neugeborenen mit 1,63 ng/mg kaum darunter (nicht signifikant). Dies deutet darauf hin, dass Methamphetamine sehr leicht die Plazenta überwinden und sich beim Fötus anreichern.

Für die Wissenschaftler ist die Grund genug, bei werdenden Müttern noch stärker als bislang auf den Missbrauch von Drogen zu achten. Außerdem sollte mehr Wert auf die Vorbeugung und Anti-Drogen-Erziehung gelegt werden.

MEDICA.de; Quelle: Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed 2007, Vol. 92, S. 332F-333F,351F-355F