Weithin wird Progesteron als Alternative zur Kombination aus Progesteron und Östrogen bei der Notfall-Kontrazeption betrachtet. Das wichtigste Progesteron für diesen Zweck ist das Levonorgestrel. In der Regel wird es zwei Mal im Abstand von zwölf Stunden in einer Dosis von jeweils 0,75 mg eingenommen.

Auch der Wirkstoff Mifepriston könnte sich zur Notfall-Kontrazeption eignen. Es lag daher nahe, diese Substanz mit der zweimaligen Gabe von Levonorgestrel zu vergleichen.

Diese Studie wurde an zwei Kliniken in den USA durchgeführt. Alle 2.043 teilnehmenden Frauen waren älter als 16 Jahre, hatten einen regelmäßigen Menstruationszyklus und wandten sich innerhalb von 120 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr an die Ärzte. Die Frauen erhielten randomisiert entweder eine einfache Dosis von 10 mg Mifepriston oder zwei Tabletten Levonorgestrel mit jeweils 0,75 mg im Abstand von zwölf Stunden.

Die meisten Frauen hatten sich höchstens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr gemeldet. Es gab in beiden Gruppen keine Hinweise darauf, dass Wirksamkeit beziehungsweise Versagen der Notfall-Kontrazeption abhängig von der seit dem Geschlechtsverkehr vergangenen Zeit sind. Auch Alter, Body Mass Index und die Häufigkeit ungeschützten Geschlechtsverkehrs hatten keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Unter Mifepriston kam es in 1,3 Prozent der Fälle zu einer Schwangerschaft. In der Levonorgestrel-Gruppe bei 2,0 Prozent der Frauen (p gleich 0.46). Unter Mifepriston verzögerte sich die nachfolgende Menstruation häufiger als unter dem Progesteron (p kleiner 0.001). Beide Wirkstoffe wurden gut vertragen. 94 Prozent der Anwenderinnen von Mifepriston waren mit der Behandlung zufrieden, unter Levonorgestrel 91 Prozent. Unerwünschte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Spannungsgefühl in den Brüsten, Bauchschmerzen, Kopfweh und anderes traten in beiden Gruppen gleich häufig auf.

MEDICA.de; Quelle: Obstetrics & Gynecology 2004, Vol. 104, S. 1307-1313