MikroRNAs könnten Hinweise auf die Aggressivität des Prostatakrebs geben

Foto: Bösartig verändertes Prostatagewebe

MikroRNA wird im Gewebe des
Prostatakarzinoms deutlich stärker
produziert als im gesunden Gewebe;
© Bernd Wullich

Die Abschätzung, wie sich der Tumor verhalten wird, ist derzeit schwierig. In einem Kooperationsprojekt sind Professor Bernd Wullich an der Uniklinik Erlangen und Professor Friedrich Grässer am Uniklinikum des Saarlandes auf der Suche nach Biomarkern, die eine frühzeitige Prognose des Wachstumsverhaltens der Tumoren ermöglichen.

Prostatakrebs gilt als „Tumor des alten Mannes“. Zu Unrecht: 30 Prozent der Patienten mit einem neu entdeckten Prostatakrebs sind jünger als 65 Jahre. Die Vorhersagemodelle zur Risikoabschätzung bei Prostatakarzinomen beruhen im Wesentlichen auf der Menge des im Serum nachweisbaren „Prostata-spezifischen Antigens“ (PSA) und der Untersuchung von Gewebeproben durch erfahrene Pathologen. Ziel des aktuellen Forschungsvorhabens ist die Entwicklung individueller Biomarker um das Wachstumsverhalten von Tumoren voraussagen zu können.

Dabei haben sie so genannte mikroRNAs (miRNAs) im Visier. MikroRNAs sind kurze RNA-Moleküle, die die Produktion von Eiweißen in der Zelle steuern. Sie sind unter anderem beteiligt an der Abwehr von Virusinfektionen und bei der Zelldifferenzierung. Darüber hinaus scheinen sie auch das Wachstum von Zellen zu beeinflussen. In manchen Fällen führt die gesteigerte Produktion bestimmter miRNAs zum Zellwachstum, bei anderen miRNAs kann derselbe Effekt durch deren Hemmung erzielt werden. Ungeklärt ist bislang auch, auf welche Abschnitte im Erbgut die miRNAs Einfluss nehmen.

Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen der ersten Projektphase: neben einigen schon bekannten miRNAs konnten neue, bislang nicht mit der Entstehung von Prostatakrebs in Verbindung gebrachte miRNAs sowie einige ihrer Zielstrukturen im Erbgut identifiziert werden.

In der aktuellen zweiten Projektphase weiten die Forscher ihre Analysen auf sehr aggressive Tumore aus. Sie wollen herausfinden, inwieweit spezifische Muster bei der Produktion von miRNAsin den Krebszellen eine Vorhersage erlauben, ob die Krankheit harmlos oder aggressiv verläuft.

MEDICA.de; Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung