Mikroglia schützen Nervenzellen nach Schlaganfall

Mikroglia schützen graue Masse
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Mikroglia-Zellen unterliegen intensiver Forschung im Zusammenhang mit Schlaganfällen, Trauma als auch chronischen Gehirnschädigungen wie bei der Alzheimerschen oder Parkinsonschen Krankheit. Die Literatur wird von der Meinung beherrscht, dass nach einem Schaden im Gehirn die Mikroglia aktiviert werden, um Nervenzellen absterben zu lassen und sie zu entsorgen. Daher versuchten Mediziner bislang, die Mikroglia pharmakologisch nach einem Schlaganfall auszuschalten, um damit den Untergang von Nervenzellen zu verringern.

Seit einiger Zeit jedoch gibt es Hinweise, dass Mikroglia neben ihrem zerstörerischen Charakter, auch einen schützenden Effekt auf Nervenzellen ausüben kann. Das wurde nun von einem Team von Forschern aus dem Leibniz-Institut für Neurobiologie und der Magdeburger Universität und der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) Braunschweig belegt. An einem in vitro-Modell für Schlaganfall zeigten sie an Hirnschnitt-Kulturen, dass die Mikroglia-Zellen in der ersten Phase der Schädigung tatsächlich fähig sind, Nervenzellen nach Sauerstoff/Glukose-Entzug vor dem Untergang zu schützen oder den Untergang hinauszuzögern.

Wie der Medizin- und Neurobiologie-Student der Otto-von-Guericke- Universität Magdeburg, Jens Neumann berichtet, verzögert die Zugabe von Mikroglia-Zelllinien direkt auf den Hirnschnitt auch noch wenige Stunden nach dem Sauerstoffentzug den Untergang der Nervenzellen. Die Interaktion zwischen Mikroglia und Nervenzellen konnte mittels 2-Photonenmikroskopie beobachtet werden. Wenige Stunden nach dem experimentellen Schlaganfall geht die Mikroglia einen engen physikalischen Kontakt mit den Nervenzellen ein und umhüllt diese regelrecht.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg