Den Biochemikern Dr. Torsten Stachelhaus und Dr. Martin Hahn vom Fachgebiet Chemie der Philipps-Universität Marburg ist es gelungen, das Zusammenspiel der Enzyme aufzuklären, die sich an der Antibiotikabildung in Mikroorganismen beteiligen. Dadurch hat sich die Möglichkeit eröffnet, auf schnellem Wege zahlreiche neuartige Peptidantibiotika zu erzeugen, die dann als Wirkstoffkandidaten für den Menschen untersucht werden können.

"Unser Ziel ist es", so Hahn, "die Mikroorganismen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und ihre eigenen Maschinerien zur Erzeugung neuartiger Medikamente auszunutzen." Die Marburger Forscher haben ihre Erkenntnisse bereits zum Patent angemeldet.

Peptidantibiotika werden an den nichtribosomalen Peptidsynthetasen gebildet. Mehrere hintereinander geschaltete katalytische Enzyme sorgen dafür, dass jeweils eine Aminosäure ausgewählt, bearbeitet und in das wachsende Produkt - das Peptidantibiotikum - eingebaut wird.

Torsten Stachelhaus und Martin Hahn gelang es nun, die strukturelle Basis dieser Interaktion zwischen verschiedenen Synthetasen innerhalb eines Komplexes aufzuklären. Dadurch war es ihnen möglich, die Reihenfolge der Synthetasen innerhalb eines Komplexes neu zu arrangieren. Außerdem erreichten sie, dass selbst Enzyme aus unterschiedlichen Biosynthesekomplexen miteinander kommunizieren.

Diese neu gewonnene Vielfalt ist sehr Erfolg versprechend. Denn bereits auf natürlichem Wege nutzen Mikroorganismen den Montagebandmechanismus für die Synthese sehr wirksamer Peptidwirkstoffe wie zum Beispiel das klassische Antibiotikum Penicillin.

Auch so moderne Vertreter wie das Reserveantibiotikum Vancomycin oder das nach Organtransplantationen verabreichte, möglichen Abstoßungsreaktionen des Körpers entgegenwirkende, Immunsuppressivum Cyclosporin A werden nach der patentierten Methode hergestellt. Einige der nun neu hinzukommenden Peptidantibiotika, so ist zu erwarten, dürften sich daher ebenfalls als sehr wirkungsvoll erweisen.

MEDICA.de; Quelle: Philipps-Universität Marburg