Mindestmenge für Frühchen gefordert

"Es ist unbestreitbar, dass Säuglinge von der Qualität und Größe einer Klinik entweder profitieren oder dort ihr Leben riskieren", erklärte Prof. Klaus Vetter, Leiter der Geburtsmedizin im Vivantes-Klinikum Berlin-Neukölln und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin fordert, dass der "Gemeinsame Bundesausschuss" der Ärzte und Krankenkassen seine Haltung aufgibt, wonach "Mindestmengen" für die Erlaubnis zur Behandlung stark untergewichtiger Neugeborener keine Rolle spielen.

Seit Jahrzehnten fordern Spezialisten für Pränatal-, Geburts- und Neugeborenenmedizin, die Schwangeren mit hohen Risiken sowie die Neugeborenen, die in einem kritischen Zustand zur Welt kommen, in Zentren zu behandeln, die nicht nur entsprechende Qualifikationen vorweisen, sondern aufgrund größerer Fallzahlen umfassende Erfahrungen haben.

Mehrere Publikationen untermauern diese Forderung mit Fakten. Aus den Arbeiten geht hervor, dass vor allem sehr kleine Frühgeborene (unter 1.500 Gramm), die in Häusern mit wenigstens 50 Fällen behandelt wurden, sowohl eine größere Chance auf Überleben als auch auf ein Leben ohne Behinderungen haben.

Diese Ergebnisse werden aktuell durch eine amerikanische Studie bestätigt. Prof. Michael Obladen, Leiter der Neonatologie der Charité an den Standorten Virchow und Benjamin Franklin, fasst die Ergebnisse so zusammen: "Jedes fünfte verstorbene Kind mit sehr geringem Geburtsgewicht in Deutschland könnte noch leben, wenn es in der richtigen Klinik behandelt worden wäre. Abrechnungstechnische Gründe dürfen keine Rolle mehr spielen".

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften