Minimal-invasive Chirurgie: VR-Simulatoren als Trainer

Interview mit Marc Pflüger, Marketing Manager Simulation, KARL STORZ GmbH & Co. KG

16.11.2016

Immer mehr operative Eingriffe werden minimal-invasiv durchgeführt. Doch damit diese gelingen, ist eine Aus- und Weiterbildung der Chirurgen unabdingbar. Eine Möglichkeit, um minimal-invasive Eingriffe zu trainieren, bieten VR-Simulatoren. Genau das war das Thema des Vortrags von Marc Pflüger auf der DiMiMed 2016.

Bild: Marc Pflüger; Copyright: beta-Web/Wart

Marc Pflüger hat in seinem Vortrag "VR-Simulators: Virtual-Reality-Training to get prepared for real life" auf der DiMiMed 2016 über den Einsatz von VR-Simulatoren zur Aus- und Weiterbildung in der minimal-invasiven Chirurgie gesprochen; © beta-Web/Wart

Wie kann man sich das Virtual-Reality-Training vorstellen?

Marc Pflüger: Die minimal-invasive Chirurgie (MIC) stellt an die Aus- und Weiterbildung der Chirurgen besondere Anforderungen. Virtual-Reality-Trainingssimulatoren für die Chirurgie bieten die Möglichkeit, die technischen Aspekte der MIC in einem kontrollierten Umfeld unter standardisierten Bedingungen zu erlernen. Insbesondere die Handhabung der Instrumente sowie die Navigation in einem dreidimensionalen Raum mittels eines zweidimensionalen Bildschirmes können durch Simulatortraining verbessert werden, aber auch spezifische Operationsschritte lassen sich effizient schulen. Zudem kann der Auszubildende an diesen computerbasierten Simulatoren Techniken beliebig oft ausprobieren und trainieren.

Das Thema Ihres Vortrages lautet "VR-Simulators: Virtual-Reality-Training to get prepared for real life". Was meinen Sie mit "real life"?

Pflüger: Mit "real life" ist der chirurgische Alltag gemeint. Mit den VR-Simulatoren kann zwar in einer risikofreien Umgebung trainiert werden, aber durch den hohen Realitätsgrad der Grafik, das verwendete Originalinstrumentarium und die realistischen Patientenfälle mit auftretenden Komplikationen, hat der Trainierende den Eindruck, sich quasi im „wahren Leben“ und nicht in einer Trainingssituation zu befinden. So können zum Beispiel die KARL STORZ VR-Simulatoren in der Gynäkologie, der Urologie und in der Arthroskopie eingesetzt werden.

Welche Vorteile bieten VR-Simulatoren als Training gegenüber anderen Methoden?

Pflüger: Bei den VR-Simulatoren handelt es sich um ständig verfügbare Trainingslösungen in einer völlig risikofreien Umgebung, die durch ihr Originalinstrumentarium und die realistischen Patientenfälle einen hohen Realitätsgrad bieten.

Ein weiterer Vorteil ist der sogenannte "digitale Mentor". Er ermöglicht ein eigenständiges und dennoch geführtes Training am VR-Simulator, das heißt, die bei anderen Methoden zeitgleiche Betreuung durch erfahrene Ärzte kann, zumindest teilweise, entfallen. Zudem gibt es reproduzierbare und vergleichbare Aufgaben, inklusive eines Komplikationsmanagements. Diese werden anhand eines Feedback-Reports zur individuellen Erfassung von Leistungsparametern bewertet. Zusätzlich werden alle Übungen aufgezeichnet, so dass diese später jederzeit abgerufen und gemeinsam mit dem Tutor analysiert werden können.

Darüber hinaus fällt beim Training an den VR-Simulatoren weder Verbrauchsmaterial an, noch ist eine Wiederaufbereitung von Instrumenten notwendig. Nicht zuletzt können mit VR-Simulatoren auch Prozeduren trainiert werden, für die es ansonsten keine oder nur ungenügende Trainingsmethoden gibt. Beispielhaft sei hier die Möglichkeit des Trainings der "Photodynamischen Diagnostik" (PDD) am KARL STORZ UroTrainer genannt.

Wo liegen die Grenzen des Trainings mit VR-Simulatoren?

Pflüger: Die Grenzen des Trainings mit VR-Simulatoren liegen darin, dass zumindest heutzutage noch nicht alle OP-Verfahren simuliert werden oder werden können. Manche OP-Verfahren, z. B. Grundtechniken wie das laparoskopische Nähen und Knoten, können mit einfachen Box-Trainern wesentlich effizienter trainiert werden. Somit stellen diese Trainingsaufgaben keine für die VR-Simulation geeigneten Verfahren dar, obwohl technisch machbar.

Andererseits gibt es sicherlich OP-Verfahren, die aufgrund ihrer Komplexität mit den heute verfügbaren VR-Simulatoren nicht abgebildet werden können, da der Programmieraufwand entweder zu hoch oder die Rechnerleistung noch zu gering ist.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Training mit VR-Simulatoren bestehende Trainingsmethoden nicht ersetzen, sondern ergänzen oder verbessern soll.

Denken Sie, dass in Zukunft Training in der virtuellen Realität immer mehr zum Einsatz kommt? Vielleicht auch in Anbetracht, dass die Grafik immer realistischer wird?

Pflüger: Ja, sicherlich werden der technische Fortschritt, die zunehmende verbindliche Aufnahme der VR-Simulatoren in die Ausbildungscurricula sowie die damit zusammenhängenden Kostenvorteile den Einsatz von VR-Simulation in der chirurgischen Aus- und Fortbildung steigern.

Das Interview führte Olga Wart.
MEDICA.de