Privatdozentin Dr. Birgit Terjung und Professor Dr. Ulrich Spengler haben ein neues System entwickelt, mit dem sich chronische Erkrankungen von Darm und Leber wie Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis leichter und sicherer diagnostizieren lassen.

Bei den chronischen Entzündungen Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis bekämpft das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen und löst dadurch die Darm- oder Leberentzündung aus. Mitverantwortlich dafür sind die atypischen pANCA Antikörper. Sie lassen sich nur im Blut von Patienten mit Colitis ulcerosa oder Autoimmunhepatitis nachweisen. pANCA bekämpfen keine Krankheitserreger, sondern eine bestimmte Gruppe von weißen Blutkörperchen. Woran sie diese erkennen, war bislang nicht bekannt.

Terjung hat nun zusammen mit Spengler entdeckt, auf welchen Bestandteil der weißen Blutkörperchen die atypischen pANCA fälschlicherweise anspringen. "Ziel der Antikörper ist ein Zellstrukturprotein, das hohe Ähnlichkeit zu einem bakteriellen Molekül aufweist", erklärt Terjung. Die Wissenschaftler wollen nun das Zielmolekül von pANCA - das so genannte Antigen - als "Köder" für den Antikörper nutzen, um ihn so leichter nachweisen zu können.

Schnell und zuverlässig wäre der Nachweis mit einem ELISA-Test. Dabei wird eine Mikrotiterplatte mit etwa hundert Vertiefungen mit dem Antigen beschichtet. In jede Vertiefung kann man prinzipiell die Blutprobe eines anderen Patienten geben - in der Praxis erfolgt dieser Schritt vollautomatisch. Enthält eine Probe pANCA-Antikörper, "verkleben" diese mit dem Zielmolekül auf der Platte. Der Rest wird abgewaschen. Die gebundenen pANCA lassen sich dann anfärben. Eine Kamera erfasst das Ergebnis, das anschließend vom Computer ausgewertet wird - weit objektiver, als es das menschliche Auge jemals könnte.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn