Wundinfektionen als Folge von Operationen können die Liegezeit im Krankenhaus leicht verdoppeln. Außerdem erhöhen sie signifikant die Mortalität nach einem chirurgischen Eingriff. Zu den Prophylaxemaßnahmen gehören unter anderem die richtige Auswahl und der richtige zeitliche Einsatz von Antibiotika, die Aufrechthaltung der Glukose-Homöostase und geeignete chirurgische Techniken.

Ob auch das Inhalieren von Sauerstoff Wundinfektionen verhindern kann, ist umstritten. Studien zu diesem Thema zeigten sich widersprechende Ergebnisse. Wissenschaftler haben daher zwischen März 2003 und Oktober 2004 in 14 spanischen Krankenhäusern 300 Patienten zwischen 18 und 80 Jahren für eine Studie gewinnen können. Alle Patienten unterzogen sich einer elektiven kolorektalen Operation. Randomisiert erhielten sie entweder 30-prozentigen oder 80-prozentigen Sauerstoff bis zu sechs Stunden nach der Operation.

Bei 35 von 143 Patienten (24,4 Prozent) unter der 30-prozentigen Sauerstoffgabe entwickelte sich eine Wundinfektion und bei 22 von 148 (24,9 Prozent) unter der 80-prozentigen Sauerstoffgabe (p gleich 0.04). Im Vergleich zur Gruppe mit 30-prozentigem Sauerstoff konnte durch die höhere Sauerstoffgabe das Risiko einer Wundinfektion um 39 Prozent gesenkt werden. Die Länge des Krankenhausaufenthaltes, das Wiedereintreten der Darmfunktion und andere klinische Parameter waren in beiden Gruppen vergleichbar.

In einem Editorial weist ein Experte darauf hin, dass die gepoolten Daten aus drei Studien zu diesem Thema darauf hinweisen, dass hochprozentiger Sauerstoff wohl tatsächlich die Rate der Wundinfektionen senken kann bei praktisch keinen Nebenwirkungen. Allerdings erscheinen die Daten noch nicht so sicher, dass man die Gabe eines solchen Sauerstoffgemischs allgemein empfehlen könnte. Weitere Studien sollen die Datenlage nun erhärten.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association 2005, Vol. 294, S. 2035-2042