Mit Ultraschall gegen Myome

Interview mit Prof. Holger Strunk, Oberarzt in der Radiologischen Universitätsklinik Bonn

01.10.2015

 
Foto: Prof. Holger Strunk

Prof. Holger Strunk während eines Symposiums zum Thema "HIFU"; © privat

Eine gute Diagnostik gehört immer zu einer guten Therapie. Es kann jedoch von großem Vorteil sein, auch während einer Behandlung kurzfristig auf Veränderungen reagieren zu können. Ein Beispiel hierfür: die Behandlung von Gebärmuttermyomen. In der Uniklinik Bonn werden Patientinnen seit kurzem mit einem sogenannten hoch-intensivem fokussiertem Ultraschall behandelt, kurz HIFU. Der Vorteil: Während der Therapie wird jedes Myom genau bildlich dargestellt, bevor es zerstört wird. Prof. Holger Strunk erklärt das Verfahren.

Herr Prof. Strunk, Sie setzen einen sogenannten hoch-intensiven fokussierten Ultraschall seit etwa einem Jahr bei Patientinnen mit Myomen ein. Wie gehen Sie dabei vor?

Holger Strunk: Die Behandlung mittels hoch-intensivem fokussierten Ultraschall ist ein Verfahren, mit dem eine gezielte, nicht-invasive Behandlung von außerhalb des Körpers durch die intakte Haut möglich ist. Grundvoraussetzung für eine Behandlung ist eine genaue Zielführung, die bei unserem Gerät ebenfalls mittels Ultraschall erfolgt. Hiermit wird dabei nicht nur das zu behandelnde Myom dargestellt, sondern werden auch Atemexkursionen und Bewegungen während des Eingriffs ausgeglichen. Im Vorfeld wird eine sehr genaue Diagnostik durchgeführt, auch wenn wir die Myome während der Behandlung sehen. Insbesondere sind die Größe, Lage und Anzahl der Myome für eine Therapieentscheidung wichtig. Deshalb führen wir eine Kernspintomografie und Sonographie durch. Die Patientinnen müssen sich dann in unserer Gynäkologie vorstellen und gemeinsam mit den Gynäkologen wird eine individuelle geeignetste Therapieoption vorgeschlagen. Kommt eine HIFU-Therapie prinzipiell in Betracht, laden wir die Patientinnen ein, um eine sogenannte Simulation durchzuführen. Hierbei wird geprüft, ob wir das Myom in Bauchlage mit dem Ultraschall gut sehen können. Das Ultraschallgerät, das wir zur Therapie benutzen, besitzt ein Wasserbassin, in dem sich ein spezieller Schallkopf mit einer akustischen Linse befindet. Diese bündelt die Ultraschallwellen an einem Punkt im Körper, um dort Wärme zu erzeugen. So werden die Myome Punkt für Punkt zerstört. Die Patientinnen liegen während der Behandlung in Bauchlage auf einem Tisch mit einem Loch in der Mitte, unter dem sich das Wasserbassin befindet. Sie werden durch dieses Loch sozusagen an das Wasser angekoppelt, denn Luft stört den Schall.

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Strunk: Ja. Die Meinungen gehen zwar bei Uterusmyomen auseinander, aber im Prinzip ist es schmerzhaft, denn es wird Gewebe zerstört. Aus diesem Grund werden die Patientinnen während der Behandlung mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln versorgt, und durch einen Narkosearzt überwacht. Die Behandlung dauert in der Regel, in Abhängigkeit von Größe, Anzahl und Lage der Myome, zwischen zwei und vier Stunden.

Wie gehen Sie vor, falls sich eine Patientin während der Behandlung bewegt?

Strunk: Da wir während der gesamten Behandlung mit den Patientinnen in einem Raum sind und das Areal dank des Ultraschalls auch sehen, können wir sofort reagieren. Wir müssen dann sozusagen nachjustieren, um das gewünschte Areal neu zu erfassen.

Können Sie den Unterschied zwischen einem ultraschallgesteuerten HIFU und einem kernspin-gesteuertem erklären?

Strunk: Der Unterschied liegt in der Zielführung, die Therapie ist im Wesentlichen die gleiche. Vor der Behandlung werden die Myome lokalisiert und bildlich dargestellt. Diese Darstellung kann man entweder mit dem Ultraschall, den wir benutzen, oder mit einem Kernspintomografen durchführen. Der Ultraschall ist ein bisschen einfacher zu bedienen und hat einen wesentlichen Vorteil: Alles, was mit dem Ultraschall zu erkennen ist, kann auch behandelt werden. Wenn etwa eine Darmschlinge vor dem Myom liegt, erkennt man das auf dem Ultraschallbild, aber nicht unbedingt mit dem Kernspintomografen. Darüber hinaus können wir mit dem Ultraschall genau erkennen, was wir behandeln, was sich dabei verändert oder ob sich etwas verschiebt, zum Beispiel durch die Atmung der Patientin. Kernspin hat allerdings den Vorteil, dass die erreichte Temperatur im behandelten Areal gemessen werden kann. Das geht mit Ultraschall nicht, hier benutzt man andere Parameter um den Therapieerfolg zu erkennen.

Urologen verwenden HIFU-Geräte schon wesentlich länger bei Prostatakrebs. Wieso sind sie jetzt erst auf die Verwendung in der Radiologie gekommen?

Strunk: Die Urologen benutzen wesentlich kleinere Geräte und andere Schallwellen. Wir können deutlich größere Areale behandeln. Aber in der Tat, in China wird dieses Verfahren schon seit circa 15 Jahren verwendet. Dort ist es fest etabliert. Wir stehen hier noch ganz am Anfang. Zum Beispiel auch bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, denn die Methode kann in der Palliativmedizin zumindest dazu beitragen, dass diese Patienten im fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung deutlich weniger Schmerzen haben.
Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

©B. Frommann

Das Interview führte Simone Ernst.
MEDICA.de