Mit Wearables ein Bild des Herzens malen

Interview mit Marco Peluso, Geschäftsführer von Qardio Inc. in San Francisco (USA)

01.09.2015

 
Foto: Marco Peluso

Marco Peluso, Geschäftsführer bei Qardio, Inc.; © Qardio, Inc.

MEDICA.de sprach mit Marco Peluso, Geschäftsführer der Qardio Inc. mit Sitz in San Fancisco (USA), die mit QardioCore einen drahtlosen EKG-Monitor auf den Markt gebracht hat. Der Brustgurt soll die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Herzerkrankungen verbessern.

Herr Peluso, warum denken Sie, dass die Messung der Herzaktivität jederzeit und an überall immer wichtiger wird?

Peluso:
Die Messung des Herzens war schon immer wichtig – aber in vielen Bereichen des Gesundheitswesens haben wir es mit veralteten und ineffizienten Technologien zu tun. Die Messgeräte, die sich aktuell auf dem Markt befinden, sind nicht sehr benutzerfreundlich und messen lediglich eine kleine Auswahl an essentiellen Werten. Das ist der Grund, warum wir Qardio entwickelt haben. Unsere tragbaren digitalen Geräte liefern sehr genaue Messwerte für die Gesundheit, mit denen auch ein Arzt arbeiten kann.

Welche Werte misst es?

Peluso: Es erstellt ein EKG und sammelt gleichzeitig Daten zur Herzfrequenz und zur Herzfrequenzvariabilität, Stress, Atmung, Körpertemperatur und Bewegungsaktivität, um Gesundheitsexperten ein komplettes Bild des Herzens in Zusammenhang mit den Lebensgewohnheiten des Patienten zu liefern. Es können bis zu 20 Millionen Datenpunkte pro Patient pro Tag erhoben werden. Das ist eine unglaubliche Datenmenge, die dem Arzt ein sehr viel umfassenderes Bild liefert und dem Patienten einen einfachen Weg, um auf seine eigenen Gesundheitsdaten zuzugreifen.

Foto: Weißer Brustgurt

© Qardio, Inc.

Welche Technologie steckt hinter QardioCore?

Peluso: QardioCore ist das erste EKG-Messgerät, das das Herz des Patienten kontinuierlich misst, ohne dass Gel, Patches oder Kabel notwendig sind. Die gesammelten Daten werden dann zur Echtzeitanalyse an die sichere Qardio-Cloud gesendet. Dies geschieht über speziell entwickelte Algorithmen, die den Diagnoseprozess optimieren und eine Basis für den Arzt schaffen. Somit spart man Zeit und Kosten. Das Design erlaubt dem Nutzer sein Herz zu überwachen, ohne dabei an Lebensqualität zu verlieren.

Wie werden die gesammelten Daten ausgewertet?

Peluso: Alle Qardio-Geräte sind drahtlos und arbeiten mit einer kostenlosen Begleit-App, in der die gesammelten Daten visualisiert, analysiert und für den Gebrauch gespeichert werden. In der Qardio-Cloud werden sie von unseren Algorithmen verarbeitet und für den Austausch, beispielsweise mit Ärzten oder der elektronischen Patientenakte, verfügbar gemacht.

Wer sind die potenziellen Nutzer des Produktes und welcher Sektor profitiert am meisten?

Peluso: Unsere Nutzer sind Patienten, die einen Weg benötigen, um ihre Herzgesundheit im Auge zu behalten. Unser Kundenstamm ist sehr vielfältig: Wir arbeiten mit großen Krankenhäusern, Ärztenetzwerken und Telemedizin-Anbietern zusammen, um ihnen effizientere Möglichkeiten zu bieten, sich um ihre Patienten zu kümmern. Unsere Nutzer schätzen die Qardio-Lösungen, da eine kontinuierliche Überwachung des Herzens lebensrettend sein kann. Wir sehen außerdem wachsendes Interesse aus der Sportindustrie, wo die Herzaktivität genutzt wird, um Training und die Gesamtleistung zu verbessern.

Foto: Mann knöpft Hemd zu und trägt darunter Brustgurt

© Qardio, Inc.

Wie beliebt sind Wearables in der Vereinigten Staaten und Großbritannien?

Peluso: Die USA und Großbritannien sind an der Spitze, was die Akzeptanz von Wearables betrifft, aber wir beobachten auch ein Vordringen auf globaler Ebene. Herzgesundheit ist das größte Problem unserer Zeit, und Endbenutzer suchen explizit nach Lösungen, die in ihren täglichen Lebensstil passen. Die Nachfrage ist dementsprechend hoch.

Datenschutz und Privatssphäre werden in Deutschland immer noch heiß diskutiert. Wie sehen Amerikaner und Briten dieses Thema, wenn es um Wearables geht?

Peluso: Unsere Qardio-Produkte sind mittlerweile auf mehreren Kontinenten angekommen. Daher sehen wir verschiedene Standards und werden mit den unterschiedlichsten Bedenken hinsichtlich Datenschutz und -sicherheit konfrontiert. In den USA entsprechen unsere Produkte den HIPAA-Standards und folgen außerdem individuellen Anforderungen je nach Verkaufsland. Da wir medizinische Daten sammeln, ist es unsere Pflicht, alles zu tun, um Sicherheit und Privatssphäre gegenüber unseren Nutzern zu gewährleisten. Aus diesem Grund nutzen wir eine lückenlose militärische Verschlüsselung zur Datenübertragung. Das ist etwas, das eher selten im Bereich Wearables angewendet wird.

Erfahren Sie mehr über Qardio unter: www.getqardio.com

Foto: Melanie Günther; Copyright: B. Frommann

©B. Frommann

Das Interview führte Melanie Günther
MEDICA.de