Mit aufgerüsteten T-Zellen Krebs bekämpfen

Die Deutsche Krebshilfe fördert das Verbundforschungsprojekt "Nutzung mutierter Neoantigene für die T-Zelltherapie von Krebserkrankungen", an dem Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz beteiligt sind. Ziel dieses Verbundforschungsprojektes im Bereich der personalisierten Immuntherapie ist es, T-Zellrezeptoren für therapeutische Anwendungen künstlich herzustellen.

22.02.2016

 
Foto: Krebszellen

Krebszellen unterscheiden sich von gutartigen Zellen durch neu aufgetretene genetische Veränderungen; © panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

Im Erfolgsfall sollen die im Labor gewonnenen T-Zellrezeptoren in einer personalisierten Immuntherapie gegen schwarzen Hautkrebs und bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse Anwendung finden.

Unter den weißen Blutzellen sind die sogenannten T-Zellen oder T-Lymphozyten in der Lage, über hochempfindliche und spezifische Rezeptoren Krebszellen zu erkennen. Diese T-Zellrezeptoren für therapeutische Anwendungen künstlich herzustellen, ist das Ziel eines Verbundforschungsprojekts, an dem Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz beteiligt sind. Die Deutsche Krebshilfe fördert dieses Verbundforschungsprojekt für die Dauer von drei Jahren mit einer Million Euro. Im Erfolgsfall sollen die im Labor gewonnenen T-Zellrezeptoren in einer personalisierten Immuntherapie gegen schwarzen Hautkrebs und bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse Anwendung finden.

"Unser Ziel ist es, T-Zellrezeptor-Moleküle herzustellen, mit denen sich das Immunsystem aktivieren lässt, gegen die Tumorzellen vorzugehen", sagt der Tumorimmunologe Univ.-Prof. Thomas Wölfel von der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. Er und Univ.-Prof. Matthias Theobald, Direktor der III. Medizinischen Klinik, sind mit ihren Arbeitsgruppen Teil des Verbundforschungsprojekts mit dem Namen "Nutzung mutierter Neoantigene für die T-Zelltherapie von Krebserkrankungen". An diesem Projekt sind auch Wissenschaftler der Charité in Berlin (Prof. G. Willimsky und Prof. T. Blankenstein), der Universitätshautklinik Essen (Priv.-Doz. A. Paschen, Prof. D. Schadendorf) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg (Prof. R. Offringa) beteiligt. "Gelingt es uns, Krebs erkennende T-Zellrezeptoren zu entwickeln und die T-Zellen damit auszustatten, so wäre das ein entscheidender Schritt hin zu einer neuen personalisierten Immuntherapie", ergänzt Theobald.

Das Forschungsprojekt basiert auf folgender Erkenntnis: Krebszellen unterscheiden sich von gutartigen Zellen durch neu aufgetretene genetische Veränderungen. Solche Neumutationen führen zur Bildung von Eiweißen, die für den individuellen Tumor spezifische Strukturmerkmale aufweisen. Ein Teil dieser als Neoantigene bezeichneten Merkmale wird durch Zellen der Immunabwehr, die T-Lymphozyten, mittels hochempfindlicher und mutationspezifischer T-Zellrezeptoren erkannt. Abwehrzellen gegen Neoantigene sind geeignet, Tumorabstoßungsreaktionen auszulösen, ohne dass dabei mit einer Schädigung von Normalgewebe zu rechnen ist.

"Zunächst gilt es, in ausgewählten Tumoren tumorspezifische Neoantigene zu identifizieren", sagt Wölfel und Theobald fügt hinzu: "Haben wir die tumorspezifischen Neoantigene identifiziert, so ist das die Voraussetzung, um verschiedene Verfahren zur Gewinnung von mutationsspezifischen T-Zellrezeptoren zu entwickeln und anschließend im Modellversuch zu testen." Auf Grundlage dessen soll dann eine technologische Plattform für den Einsatz solcher T-Zellrezeptoren im Rahmen einer personalisierten Immuntherapie geschaffen werden.

"Die auf veränderte T-Zellrezeptoren ausgerichtete T-Zell-Immuntherapie ist ein sehr komplexes Forschungsfeld. Daher macht es Sinn, die Expertise von Grundlagenforschern und anwendungsorientierten kliniknahen Wissenschaftlern zu bündeln. Genau das leistet dieses Verbundforschungsprojekt. Es hat das Potential, einen bedeutenden Beitrag auf dem Weg zu einer personalisierten Immuntherapie zu leisten", sagt der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Ulrich Förstermann.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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