In der Allgemeinpraxis ist die Zahl derer, die sich mit mehr oder weniger starken Bauchschmerzen vorstellen, recht hoch. Da solche Schmerzen viele verschiedene Ursachen haben können, muss ein Arzt bei der Diagnose akuter Bauchschmerzen systematisch vorgehen, um alle möglichen Differentialdiagnosen bewerten zu können.

Vor diesem Hintergrund haben jetzt amerikanische Mediziner die Leitlinien zur Diagnose abdomineller Schmerzen überarbeitet. Darin heißt es unter anderem:

Es ist wichtig, den Schmerz zu lokalisieren. Außerdem sollte man die Ausstrahlung des Schmerzes sowie die Schmerzintensität festhalten. Bei Fieber, häufigem Erbrechen oder Synkopen muss der Patient möglicherweise operiert werden.

Bei der körperlichen Untersuchung sollte der Arzt auf Tachykardien und orthostatische Hypotension achten. Fieber deutet zwar auf eine Infektion hin. Hat der Patient Normaltemperatur, schließt das eine Infektion aber nicht aus. Bei der rektalen Untersuchung können sich Hinweise auf eine schwere Verstopfung oder auf Blut im Stuhl ergeben. Neben den üblichen Laboruntersuchungen sollte auch ein Schwangerschaftstest vorgenommen werden, um bei einer Frau eine mögliche Schwangerschaft als Ursache der Bauchschmerzen zu erkennen.

Bei Schmerzen im rechten oberen Quadranten sowie suprabubischem Schmerz kann Ultraschall gute Dienste leisten. Im rechten unteren sowie linken unteren Quadranten ist die Computertomographie oft Diagnoseinstrument der ersten Wahl.

Schwierig ist die Diagnose oft bei älteren Menschen, da sich die Beschwerden bei dieser Personengruppe nicht selten anders darstellen als bei jüngeren Menschen und daher Fehldiagnosen vorkommen können. Zu den potentiell tödlichen Erkrankungen, die bei älteren Menschen oft Bauchschmerzen verursachen und die häufig übersehen werden gehören eine okkulte Harntraktinfektion und ischämische Darmerkrankungen.

MEDICA.de; Quelle: American Family Physician 2008, Vol. 77, S. 971-978