Mit der Zuckerkrankheit leben lernen

Selber pieksen, das will gelernt sein
© Uni Heidelberg

Die Klinik betreut etwa 230 Patienten mit Diabetes mellitus und gehört damit zu den größten Kinder-Diabetes-Zentren in Deutschland. Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland etwa 22.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahren von einem Typ 1 Diabetes betroffen. "Aber die Tendenz ist steigend", berichtet Dr. Grulich-Henn. "In Heidelberg hat sich die Anzahl der Neuerkrankungen vom Jahr 1996 bis 2004 fast verdoppelt."

Es gibt in Deutschland nur drei niedergelassene Kinder-Diabetologen. Deshalb sei es sehr wichtig, dass die Patienten in speziellen Zentren betreut werden. Geschulte Pflegekräfte leiten bei neuen Patienten nach Absprache mit den Ärzten die Insulintherapie ein. Medikamentöse Behandlung, Flüssigkeitszufuhr und Laborkontrollen erfolgen nach wissenschaftlich fundierten Leitlinien und werden kontinuierlich dokumentiert.

"Diese Datensammlung fließt in ein bundesweites Qualitätssicherungsprogramm ein", erklärt Dr. Grulich-Henn. Hier wird der Krankheitsverlauf aller Patienten anonym dokumentiert und die Daten innerhalb eines deutschlandweiten Qualitätszirkels, an dem rund 180 Kinder-Diabetes-Ambulanzen teilnehmen, von einer zentralen Stelle ausgewertet.

"Bei uns werden die Kinder durchschnittlich nur zwölf Tage stationär aufgenommen. Das ist vergleichsweise kurz, die Behandlungsergebnisse sind aber sehr gut." Ein kurzer Klinikaufenthalt erleichtere die Rückkehr in den Alltag.

Die Mitarbeiter der Diabetes-Ambulanz - neben Ärzten und Pflegekräften auch eine Diabetesberaterin, Diätassistenten, Psychologen und Sozialarbeiter - bieten zu allen Themen ein umfangreiches Schulungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.

"Unser gemeinsames Ziel lautet: Mit dem Diabetes leben, nicht für den Diabetes", betont Dr. Grulich-Henn. Das gilt sowohl für den Patienten als auch für seine Familie.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg