Zwischen 14 und 42 Prozent der Patienten mit Schleudertrauma entwickeln chronische Schmerzen und bei zehn Prozent von ihnen kann man von ständigen heftigen Schmerzen sprechen. In der Notfallambulanz gibt man gewöhnlich Eis beziehungsweise Hitze und Analgetika.

In einer Studie wurde nun ein neues therapeutisches Instrument eingeführt: ein psychoedukatives Video, das man Patienten mit Schleudertrauma unmittelbar nach der Aufnahme und Erstversorgung zeigte. Das Video war zwölf Minuten lang.

Zwischen Juni 2000 und September 2002 nahmen 126 Patienten nach Schleudertrauma an dieser Untersuchung teil. Randomisiert wurden sie wie üblich behandelt oder sahen sich das Video an, in dem es um psychophysiologische Aspekte chronischen Schmerzes ging.

Einen Monat nach dem Unfall wurden die Probanden befragt. Jene, die sich das Video angesehen hatten, berichteten von deutlich weniger Schmerzen als die Patienten aus der Vergleichsgruppe: durchschnittlich 6.09 Punkte beim „Short Form Musculoskeletal Function Assessment“ versus 21.23 Punkte, p kleiner 0.001. Auch drei beziehungsweise sechs Monate nach dem Unfall war das Video den anderen Maßnahmen deutlich überlegen. Sechs Monate nach Beginn der Studie benötigten zum Beispiel vier Prozent der Patienten in der Video-Gruppe ein Analgetikum. In der Vergleichsgruppe waren es aber 36 Prozent. In der ersten Gruppe lagen die Schmerzen um durchschnittlich 70 Prozent unter jenen der Vergleichsgruppe. Auch die Zahl der Arztbesuche konnte dadurch deutlich gesenkt werden.

Auch wenn die Studie methodische Probleme hatte – so gab es zum Beispiel keine echte Placebo-Gruppe – so macht sie nach Ansicht der Studienleiter doch deutlich, dass man durch ein gut gemachtes Video die bedeutenden medizinischen und rechtlichen Folgen eines Schleudertraumas positiv beeinflussen kann.

MEDICA.de; Quelle: Spine 2006, Vol. 31, S. 1652-1657