Mit kühlem Kopf Herzproblemen vorbeugen

Foto: Mann mit halbrotem Kopf

Das Bild zeigt einen Mann vor und
nach der Einnahme von Nikotinsäure;
©MPI für Herz- und Lungenforschung

Das liegt daran, dass die Behandlung mit Nikotinsäure eine ungefährliche, doch unangenehme Nebenwirkung hat: Man bekommt einen hochroten Kopf. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung haben nun den Mechanismus dieses Flushing-Effekts geklärt, wodurch die Entwicklung von Flush-Hemmern möglich wird.

In aller Munde ist das LDL-Cholesterin. Das „schlechte“ Cholesterin gilt als ein Risikofaktor für die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen. Je höher die Konzentration des LDL-Cholesterins, desto höher ist das Risiko, einen Herzinfarkt oder periphere Gefäßerkrankungen zu erleiden. Umgekehrt gilt: Je höher der Spiegel des guten HDL-Cholesterins, desto geringer ist das Erkrankungsrisiko. Deshalb möchte man die HDL-Plasmakonzentration durch Nikotinsäure erhöhen.

„Das Hauptproblem bei der Behandlung mit Nikotinsäure – die im Übrigen nichts mit dem Nikotin im Tabak zu tun hat – liegt im Auftreten des Flushings“, sagt Stefan Offermanns, Direktor der Abteilung „Pharmakologie“ am Max-Planck-Institut. „Bereits kurze Zeit nach Einnahme von Nikotinsäure kommt es bis zu eineinhalb Stunden lang zu einer sehr starken Rötung des Gesichts und des Oberkörpers. Ursache dafür ist die Erweiterung von Blutgefäßen in der Haut.“ Das ist völlig ungefährlich – viele Patienten brechen die Therapie wegen des Effekts aber ab.

Offermanns und Mitarbeitern ist es bereits gelungen, einen Rezeptor für die erwünschten Wirkungen der Nikotinsäure zu identifizieren. Untersuchungen an Mäusen zeigten aber, dass er ebenfalls für die Flushing-Reaktion verantwortlich ist. „Nun ist uns der Nachweis gelungen, dass der Rezeptor sowohl in den Hauptzellen der oberen Hautschicht, den sogenannten Keratinozyten, vorhanden ist, als auch in Immunzellen dieser Hautschicht, den sogenannten Langerhans-Zellen“, so Offermanns.

Durch Untersuchungen von Mausstämmen, bei denen der Rezeptor entweder in den Langerhans-Zellen oder in den Keratinozyten der oberen Hautschicht blockiert ist, konnten die Forscher zeigen, dass die erste Phase der Flushing-Reaktion durch Aktivierung von Langerhans-Zellen ausgelöst wird. Die zweite länger andauernde Phase beruht dagegen auf einer Aktivierung von Keratinozyten. In den beiden Phasen werden jeweils unterschiedliche Prostaglandine gebildet. „Durch Hemmung der Prostaglandin-Bildung oder durch Blockade der Prostaglandin-Rezeptoren in der Haut lässt sich das Flushing-Phänomen unterbinden, während die erwünschten Effekte der Nikotinsäure auf den Fettstoffwechsel dadurch unbeeinflusst bleiben.“


MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.