Bestimmte Medikamente können - je nach Schwangerschaftsabschnitt, in dem sie eingenommen wurden - zu schweren lebenslangen gesundheitlichen Störungen des Kindes führen. Ärzte müssen in diesen kritischen Phasen Nutzen und Risiken von Arzneimitteln besonders sorgsam abwägen und benötigen dafür zuverlässige Informationen.

Bislang wurden Arzneistoffe häufig in Gruppen bewertet, obwohl sich einzelne Substanzen in ihrem Profil deutlich unterscheiden; daher ist das bisherigen Vorgehen unzureichend. Auch die Richtlinien der nationalen Arzneimittelbehörde der USA, der "Food and Drug Administration" (FDA), sind nicht ausreichend: Sie sehen keine unterschiedliche Bewertung in den verschiedenen Schwangerschaftsabschnitten vor. Die europäischen Arzneimittelbehörden wenden bisher überhaupt keine systematische Risikoklassifizierung an.

Wissenschaftler haben nun am Beispiel von Antibiotika eine neue differenzierte Risikobewertung mit acht Kategorien entwickelt, die dem Arzt konkrete Handlungsempfehlungen bei der Verschreibung von Medikamenten für Schwangere und stillende Mütter gibt. Dadurch sollen unerwünschte Arzneimittelwirkungen gezielter vermieden und Risiken für das ungeborene Kind minimiert werden.

Dazu werteten die Wissenschaftler klinische Erfahrungen und Fachinformationen von Antibiotika bezüglich deren Einnahme in der Schwangerschaft und Stillzeit aus. Ausgangspunkt dieser umfangreichen Analyse war eine Anfrage der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, die in ihre Behandlungs-Leitlinien zur Vorbeugung und Therapie von Endokarditis in der Schwangerschaft und Stillzeit entsprechende Empfehlungen aufnehmen möchte. Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler sollen Eingang in eine deutschlandweite Leitlinie von Herzspezialisten finden.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2006, Vol. 131, S. 1016-1022