Mitotane beugt einem Rückfall vor

Das Nebennierenkarzinom ist ein besonders bösartiger Tumor. Auch nach seiner kompletten chirurgischen Entfernung tritt er bei bis zu 80 Prozent der Patienten wieder auf. Bislang gab es für die Vorbeugung solcher Rückfälle keine anerkannten, einheitlichen Regeln. Die Standards fehlten, weil Nebennierenkarzinome selten sind: Pro Jahr kommen auf eine Million Einwohner nur ein bis zwei neue Fälle.

Zwar setzen einige Nebennierenkarzinom-Spezialisten seit Jahren das Medikament Mitotane ein (ein Abkömmling des Pflanzenschutzmittels DDT). "Allerdings waren die bisher vorliegenden Daten aufgrund der geringen Fallzahlen ungenügend und teilweise auch widersprüchlich, so dass diese Therapie sehr umstritten war", sagt Professor Bruno Allolio von der Würzburger Universitätsklinik. Noch dazu ist die Mitotane-Therapie mit zahlreichen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Schwindel bis hin zu Sprechstörungen verbunden.

Eine große Studie mit über 170 Patienten zeigt nun: Die Patienten mit Mitotane-Therapie schneiden deutlich besser ab als die unbehandelten Kontrollgruppen. Das Risiko, dass die Erkrankung nach der Operation wieder auftrat, war bei den Patienten, die kein Mitotane erhielten, dreimal so hoch wie in der Mitotane-Gruppe. Des Weiteren zeigte sich, dass das Risiko, an der Erkrankung zu sterben, durch die Therapie nahezu halbiert werden konnte. Die Nebenwirkungen der Therapie mit Mitotane waren gut beherrschbar und machten nur bei 13 Prozent der Patienten eine Verringerung der Dosis erforderlich.

Laut den Würzburgern Wissenschaftlern ist es mit dieser Untersuchung erstmals gelungen, für das seltene Nebennierenkarzinom weltweit eine Standardtherapie zur Rückfallprophylaxe nach der Operation zu etablieren. Auch wenn die Behandlung schwierig bleibe, bedeute diese Studie einen entscheidenden Fortschritt für Patienten mit dieser seltenen Krankheit.

MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg