Mittagsschlaf stärkt das Kurzzeitgedächtnis

Neben Störungen des Schlafes wie Ein- und Durchschlafstörungen gibt es behandlungsbedürftige Schlafstörungen als Begleiterscheinungen von Krankheiten und Therapiemaßnahmen, aber auch solche, die durch Medikamente und Lebensgewohnheiten bedingt sind. Zu letzteren gehören die Schlafstörungen, die durch Schichtarbeit hervorgerufen werden.

Ohne äußere Einflüsse gäbe die innere Uhr des Menschen einen 25-Stundenrhythmus vor, jedoch bedingt vor allem durch den Einfluss des Lichtes als äußerem Zeitgeber passt sich jeder Mensch den sozialen Gegebenheiten des 24-Stunden-Tages an. Synchron laufen innere Rhythmen wie zum Beispiel Körpertemperatur, Leistungsbereitschaft, Herzfrequenz, Blutdruck oder Hormonausschüttungen. Schon kleine Abweichungen in der Synchronisierung dieser Rhythmen, wie z.B. die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit können bei empfindlichen Personen kurzfristig zu Befindlichkeitsstörungen aber auch zu Leistungseinbußen führen.

Schichtarbeiter - insbesondere in Nachtschicht - arbeiten gegen die innere Uhr, ohne die Möglichkeit, sich diesem Rhythmus durch äußere Zeitgeber anzupassen. Dies führt zu Schlafstörungen, sozialen Problemen, vermehrtem Auftreten von Magen-Darm- und Kreislauferkrankungen, Depressionen. Zahlreiche Studien belegen eine erhöhte Unfallrate bei Schichtarbeitern, da Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration beeinträchtigt sind. „Alle Unfallforschungen beschreiben schon im normalen Tagesablauf ein Mittagstief und nächtliche Tiefpunkte zwischen 2 und 4 Uhr, das verstärkt sich natürlich im Schichtdienst“, weiß Professor Sylvia Kotterba von der Klinik für Neurologie der Ammerland-Klinik Westerstede.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Folgen der Schichtarbeit haben zu arbeitsmedizinischen Schlussfolgerungen geführt. Möglichst wenige Tage hintereinander sollte es in „dem Organismus entgegenlaufenden“ Schichten, also Früh-, Spät- und Nachtschicht gearbeitet werden - Dauernachtschichten sollten generell vermieden werden. „In unserer Gesellschaft ist Schichtarbeit sicher nicht vermeidbar, dennoch sollten chronobiologisch angepasste Arbeitszeitmodelle, also eine Rotation von Früh- über Spät- in Nachtdienst mit anschließender Freizeit mit ausreichenden Ruhephasen, zum Beispiel im Mittagstief ermöglicht werden.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)