Mobilität nach Endoprothese: Eine Probefahrt im Fahrsimulator

30/05/2014
Foto: Smart vor Leinwand - Fahrsimulator

Ab wann können Patienten mit künstlichen Gelenken wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen? Fahrsimulator am UKS in Homburg;
© Herr Drumm / UKS

Ärzte und Wissenschaftler des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg sowie Wissenschaftler des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) stellten den Beginn einer Studie zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr mit schwerer Arthrose und nach endoprothetischen Eingriffen vor.

Mit modernster Technik erlaubt ein Fahrsimulator die Beurteilung der Bewegungsfähigkeit der entsprechenden Gliedmaßen während des Autofahrens, insbesondere das Reaktions- und Bremsverhalten der Probanden.

Das zu erreichende Ziel ist insbesondere die Klärung zweier Kernfragen, die sich die Projektbeteiligten im Rahmen der Projektentwicklung stellten:

1. Führt die Arthrose der großen Gelenke der unteren Extremität eines PKW-Fahrers zu einer Gefährdung im Straßenverkehr?

2. Zu welchem Zeitpunkt ist ein Wiedererlangen der Fahrtüchtigkeit nach endoprothetischen Eingriffen gewährleistet?

Fundierte Kenntnisse über den korrekten Zeitpunkt der Wiederteilnahme am Straßenverkehr könnten dazu beitragen, die Lebensqualität der Patienten in der Rehabilitationsphase weiter zu steigern und das Unfallrisiko frisch operierter Personen zu reduzieren. Der Erhalt der Mobilität erhöht den Grad der Selbstständigkeit. Dies könnte soziale Hilfs- und Pflegeeinrichtungen entlasten und somit zu reduzierten Kosten im Gesundheitswesen beitragen.

Es wird vermutet, dass ca. zwei Drittel aller Menschen über 65 Jahre vom Verschleiß mindestens eines Gelenkes betroffen sind. Für eine wachsende Zahl älterer Menschen ist in der heutigen Zeit der Erhalt der Mobilität ein zentraler Aspekt für Unabhängigkeit und Lebensqualität. Das betrifft zum einen die physische Bewegungsfreiheit, die in den vergangenen Jahrzehnten durch den Einsatz von insbesondere bei älteren Patienten deutlich verbessert werden konnte.

Prof. Dr. Dieter Kohn, Direktor der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie am Universitätsklinikum des Saarlandes UKS in Homburg, erläutert: „Die Endoprothetik ist eine der wesentlichen Errungenschaften der Medizin in den letzten 50 Jahren. Es gibt wenige gleich erfolgreiche Operationsverfahren. Niemand ist heute mehr gezwungen, Arthroseschmerzen zu erdulden oder aufgrund von Hüft- oder Kniearthrosen nur noch ein Leben im engsten Umkreis, gebunden an den Gebrauch von Stöcken oder gar eines Rollstuhls, zu führen. Das künstliche Gelenk stellt die Mobilität wieder her. Wissenschaftliche Grundlagen gibt es allerdings gerade in diesem Bereich wenige. Dies gilt auch für häufige und wichtige Aktivitäten, so z. B. das Führen eines Kraftfahrzeugs.“

„Viele Patienten fragen uns in der Ambulanz sowohl vor als aber auch nach der Operation, wann sie wieder in der Lage sein werden, Auto zu fahren. Harte wissenschaftliche Daten fehlen diesbezüglich. Häufig treffen wir als Ärzte diese Entscheidung individuell. Durch den Fahrsimulator erhoffen wir, neue Erkenntnisse zu erlangen, damit wir die Nachbehandlung unserer Patienten weiter verbessern können.“ berichtet PD Dr. Konstantinos Anagnostakos, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik, über den klinischen Alltag.
Die Mitarbeiter der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sowie des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz DFKI an der Universität Saarbrücken möchten mit dem hier vorgestellten Modell neue Erkenntnisse über die Fahrtüchtigkeit von Patienten mit Arthrose sowie nach endoprothetischen Eingriffen untersuchen.

Die flexible und erweiterbare Open-Source-Software ermöglicht virtuelle Autofahrten in einer realistisch simulierten 3D-Umgebung. Die Integration der Fahrsimulationen in die Fahrerkabine eines Smart erlaubt eine realistische Fahrphysik und vermittelt ein wirklichkeitsnahes Fahrgefühl. „Die Zusammenarbeit mit der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie des UKS eröffnet uns die Chance, Open-Source-Software für ein konkretes Anwendungsszenario anzupassen, in der Praxis einzusetzen, zu verbessern und so einen Beitrag zur Mobilität älterer Menschen zu leisten.“, so Dr. Christian Müller, Senior Researcher und Leiter der Automotive-Forschungsgruppe am DFKI.

MEDICA.de; Quelle: Universität des Saarlandes