Der plötzliche Kindstod ist noch immer eine der häufigsten Todesursachen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die postnatalen Risikofaktoren sind inzwischen recht gut bekannt. Weniger weiß man über mögliche pränatale Risikofaktoren des plötzlichen Kindstods.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Gordon C.S. Smith von der Cambridge University, Großbritannien hat nun ein Modell entwickelt, um anhand bestimmter pränataler Umstände das Risiko eines plötzlichen Kindstods zu ermitteln. Man nutzte dazu Daten von 252.506 Frauen und ermittelte unter anderem die Zahl der Geburten, die eine Frau bereits gehabt hatte, das mütterliche Alter, Familienstand und Raucherstatus.

Das Modell zur Risikoberechnung wurde dann an den Daten von 500.000 Frauen getestet. 12.387 dieser Frauen (2,4 Prozent) fielen demnach in die Kategorie „erhöhtes SIDS-Risiko“. In dieser Gruppe traten tatsächlich 55 Fälle von SIDS auf. Dies entspricht einer Inzidenz von 44,4 pro 10.000 Säuglingen und Kleinkindern.

Frauen, die gemäß Risikoberechnung ein geringes Risiko für SIDS bei ihren Neugeborenen haben müssten, hatten auch tatsächlich weniger Fälle eines plötzlichen Kindstods zu beklagen: nämlich 0,7 Fälle pro 10.000 Säuglingen und Kleinkindern. Am anderen Ende der Skala bezüglich Risikofaktoren sah es anders aus: Jene Frauen, die gemäß Risikofaktoren bei den oberen zehn Prozent lagen, hatten ein Risiko von 29.7 SIDS-Fällen pro 10.000 Säuglingen und Kleinkindern.

Die Studie beweist also, dass man anhand bestimmter pränataler Faktoren tatsächlich das ungefähre Risiko eines SIDS vorhersagen kann. Experten geben aber zu bedenken, dass es möglicherweise nicht gut wäre, alle Frauen in ein solches Risikoschema zu stecken. Frauen mit einem hohen Risiko könnten überängstlich reagieren und das wäre nicht gut für das Kind.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2006, Vol. 117, S. 60-66