03.11.2005

Arcor AG & Co. KG

Modernstes Klinikum Europas

WLAN-Handys ersetzen u.a. die Pager
MEDICA 2005. Die IT-Ausstattung des neuen Sana-Klinikums-Remscheid durch Arcor hat Modellcharakter für Europa.

Nach nur vier Jahren Planungs- und Realisierungszeit wurde am 19. Mai in Anwesenheit von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt der Neubau des Sana-Klinikums-Remscheid eröffnet. Buchstäblich im Mittelpunkt des 70 Mio. Euro-Objektes steht der zentrale neue Funktionsbau, in dem auf drei von insgesamt fünf Ebenen u.a. Aufnahme, Diagnostikräume, radiologische diagnostische Einheit und weitere zentrale Funktionsbereiche untergebracht sind. In unmittelbarer Nähe befinden sich alle anderen Komplexe, von den OPs über Bettenhäuser bis hin zum Parkhaus. Ein Krankenhaus der kurzen Wege ist entstanden, das Zeit und Kosten spart und gleichzeitig Hotelcharakter für die jährlich 45.000 Patienten bietet: Helle Farben, warme Holzoptik und Entertainmentsysteme mit Internet und Video on Demand.

Alle Kommunikationsnetze in einem System integriert

Die wichtigsten Innovationen des Sana-Klinikums liegen aber eher im Verborgenen in Form einer vorbildlichen Informationstechnologie, bei der die bisher getrennt voneinander geführten Kommunikationsnetze für Ärzte, Verwaltung, Alarmierungssysteme, Abrechnung und Fernsehen in ein System integriert wurden. Gleichzeitig stellt diese Synthese einen erheblichen Einsparfaktor dar, weil beim Neubau auf zusätzliche Koaxial-, Telefon- und sonstige parallele Verkabelung verzichtet werden konnte. Sämtliche Kommunikationsprozesse laufen auf Basis des Internet-Protokolls (IP). In vielen Bereichen werden die Endgeräte mit Wireless LAN an das IP-Netz angeschlossen – 260 Accesspoints leuchten hierfür das gesamte Gelände auch im Außenbereich aus.

360 WLAN-Handys rufen Ärzte

360 WLAN-Handys warten auf Ärzte, die darüber u.a. spezifisch gesteuerte Gruppenalarme aus Krankenzimmern oder der Notaufnahme empfangen. Später ist auch die Ausgabe an Patienten vorgesehen, die sich in Rufbereitschaft auf dem gesamten Campus frei bewegen können, während sie auf die nächste Untersuchung warten. Im Anfangsstadium soll dies noch über DECT-Standard geschehen, wie bei handelsüblichen Schnurlostelefonen.
Ressourcen bei Diagnostik, Geräteverfügbarkeit, Raumbelegung und Ärzteeinsatz können so viel besser gemanaged werden. Ziel ist neben der Optimierung der Versorgung vor allem, die Liegezeiten der Patienten zu verkürzen

Web-Cam Überwachung der Schlaganfallpatienten und der Außenanlagen

Zu den Neuerungen gehört auch die WebCam-Überwachung, mit der Schlaganfallpatienten genauso überwacht werden wie die Außenanlagen und das Parkhaus – natürlich nicht mehr über das alte Koaxialkabel, sondern ebenfalls über das IP-basierte Local Area Network (LAN) – und bei Bedarf hier ebenfalls auf mobilen Engeräten mit WLAN-Anschluss.

Volldigitalisierte Informationsweitergabe

Auch in die OPs hat die volldigitalisierte Informationsweitergabe Einzug gehalten. Auf den neuen hochauflösenden Bildschirmen lassen sich sämtliche Details aus dem modernen RIS / PACS (Radiologisches Informationssystem / Picture Archival and Communications System) heranzoomen, beispielsweise von Aufnahmen aus dem Computer- oder dem Magnet-Resonanz-Tomografen (MRT). Damit die speicherplatzintensiven Bilder – ein MRT-Bild kann leicht mehr als 100 Megabyte groß sein – neben den vielen anderen Daten des Hauses gespeichert werden können, wurde in dem neuen Rechenzentrum ein Storage Area Network mit einer Kapazität von rd. 7 Terabyte bereitgestellt. Die Option auf eine externe Langzeitarchivierung ist vorhanden. Der schnelle Datentransport der Klinik erfolgt per Glasfaser mit einem hochverfügbaren Backbonenetz auf Gigabit-Ethernetbasis.. Bei der nun eingerichteten Volldigitalisierung der Radiologie steht eine digital erstellte Aufnahme unmittelbar zur Verfügung – sogar unterwegs auf mobilen Endgeräten - und beschleunigt die Behandlung. Früher musste auf den Postdurchlauf gewartet werden bis das belichtete Bild in der Station ankam. Generell werden durch Prozessoptimierung und flexiblisierung Wartezeiten beim Röntgen, beim Ultraschall und anderen Diagnosegeräten erheblich verkürzt. Sukzessive werden auch alle restlichen bildgebenden Modalitäten vom Endoskopiegerät bis zum Ultraschall auf digital umgestellt werden.

Monitorsysteme beenden Virenprobleme

Bei der Neuorganisation hatte die Klinik aber nicht nur Patienten und Ärzte im Blick, sondern auch die rd. 1.000 restlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deren PC-Arbeitsplätze verfügen nun, statt über herkömmliche Bildschirme, zu 85 Prozent über zentral administrierte Thin Clients. Das sind quasi reine Monitorsysteme, über die Softwareapplikationen gemeinsam genutzt werden können. Nicht nur die erhebliche Einsparung gegenüber einer Lizensierung von Anwendungssoftware für die rd. 600 Endgeräte war Grund für diese Entscheidung. Auch unerwünschte individuelle Rechnerkonfigurationen und die Beeinträchtigung des Krankenhausnetzes durch Viren und Würmer sind somit praktisch ausgeschlossen.

TÜV-geprüfte Sicherheit und gesundheitliche Unbedenklichkeit

Generalunternehmer für das Gesamtprojekt Sana-Klinikum ist Arcor. Partner für einzelne Gewerke sind: Hewlett Packard (SAN), Cisco (LAN/WLAN), Visus (PACS), medavis (RIS), abs (Patienten-Multimediasystem) xevIT (Voice over IP, Abrechnungssystem). Übersichtlich gemanagt wird das komplette Netz in der Leitstelle von ISIS. Jeder Ausfall von Komponenten wie z.B. eines Accesspoints, aber auch Alarme, defekte Rechnerkarten oder Bitfehler im Übertragungssystem werden dort erkannt. Für den IT-Leiter des Klinikums, Michael Willmann, war wichtig, dass alle Netzwerkkomponenten in Düsseldorf zentral überwacht werden können aber auch das Krankenhaus selbst jederzeit Online-Zugriff auf die Steuerung hat. Für die Verwendung im Krankenhausbereich hat Arcor die eingesetzte Wireless-Technologie vom TÜV prüfen lassen. Mit den beiden TÜV-Zertifizierungen zur Verträglichkeit der Strahlenbelastung und zur Datensicherheit von WLAN im Krankenhaus erfüllt Arcor beim Produkt isiMED hohe Ansprüche. Dem WLAN-Konzept wird dabei bescheinigt, die heute hohen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Gegenüber den Schnurlostelefonen, die mittlerweile in vielen Haushalten üblich sind, liegt die Strahlenbelastung durch Arcor WLAN nur bei einem Drittel und gegenüber dem Handy ist sie sogar bis zu 20 mal niedriger. Krankenhausweit auf allen Stationen setzen die Kliniken der Landeshauptstadt Düsseldorf in Gerresheim und Benrath die digitale drahtlose Visite ein. Darüber hinaus dient die drahtlose Anbindung auch den verschlüsselten Anwendungen im Verwaltungsnetz und optional dem Patienten-Entertainment in Form eines WLAN-HotSpots. Auch außerhalb der Medizinbranche ist Arcor ein erfahrener Anbieter für WLAN-Technik.

Patientenentertainment-System

Was auch immer der Patient nutzen möchte, ob er im Internet surfen, ein Video anschauen oder einen Kaffee trinken möchte – die Angebote gibt es sozusagen à la Carte und bezahlt wird für alles zusammen erst am Schluss. Knapp 80 Wahlleistungsbetten sind mit Schwenkarmmonitoren ausgestattet, über die der Patient sich unterhalten lassen kann. Bei der Visite nutzt der Arzt denselben Monitor, um über eine VPN-Verbindung (Virtual Private Network) die vertraulichen Krankendaten aufzurufen und ggf. dem Patienten seine Röntgenbilder zu erläutern. Patienten ohne Wahlleistung sind natürlich nicht ausgeschlossen von modernen Unterhaltungs- und Kommunikationsmedien.

Hohe Investitionen in die IT werden sich rechnen

Zwischen 2,5 und 3 Mio. Euro der Neubausumme von 70 Mio. Euro wurden in die IT gesteckt – das künftige jährliche Budget hierfür wird bei über 2 Prozent liegen. Damit befindet sich das Sana-Klinikum auf einem Spitzenplatz in Deutschland. In drei bis fünf Jahren haben sich die Investitionen jedoch amortisiert. Die IT wird aber nicht vordergründig als Kostenfaktor, sondern als strategische Investition Angesehen. Zu berücksichtigen ist schließlich auch, dass andere Kosten wegfallen, etwa die Entwicklung herkömmlicher Röntgenfilme, die Softwarelizensierung hunderter PC-Arbeitsplätze oder die mannigfaltige Wartung verschiedener Netze und deren Komponenten, wie es früher notwendig war. Auch personal- und kostenintensive Prozesse werden überflüssig, etwa der umständliche Kauf, die Registrierung und das Aufladen von Telefonkarten. Mit dem neuen Standard, der in Remscheid in puncto Behandlung, Betreuung, Administration und Kostenbewusstsein geschaffen wurde, ist das Klinikum bestens gerüstet für die schwierigen Zeiten, die auf die deutschen Hospitäler zukommen werden: In Deutschland wird nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, bis 2020 jedes vierte Krankenhaus schließen müssen.

Zahlen und Fakten

Neubauinvestition: 70 Mio. Euro, davon 2,5-3 Mio. für IT
Planungs- und Bauzeit: 4 Jahre
Erwartete Patienten jährlich: 45.000
IP-Netz: Ärzte, Verwaltung, Alarmierungssysteme inkl. WebCams, Abrechnung und Fernsehen
WLAN-Komponenten: 260 Accesspoints und 380 WLAN-Handys
Arbeitsplätze: 600 PCs, davon 500 Thin Clients
Speicherkapazität der Systeme für digitale Röntgenaufnahmen etc.: 7 Terabyte

BILD:
WLAN-Handys ersetzen auch die Pager - hier wird die Ärztin während der Befundung alarmiert.