Molekulare Informationen bündeln und für die Behandlung nutzen

24.04.2015
Grafik: Darstellung eines Moleküls

Bioproben aus Blut, Urin oder Gewebe bilden das Ausgangsmaterial für die Analyse von Erbgut und die Erforschung von Proteinen oder biochemischen Signalwegen wie beispielsweise der körpereigenen Abwehr; © panthermedia.net/Stephan John

Blut-, Gewebe- oder Urinproben liefern dank hoch technologisierter biochemischer, genetischer und physikalischer Analysen immer genauere molekulare Informationen über Krankheiten. Ergänzt um Bilddaten und klinische Tests ergibt sich daraus systematisch ein individualisiertes medizinisches Gesamtbild eines Menschen. Ziel dieser "Systemmedizin" ist eine passgenaue Behandlung. Damit neue Erkenntnisse bestmöglich zusammenfließen und Patienten helfen, konkretisiert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) diese Thematik jetzt in einem Positionspapier zur "Systemmedizin". Internisten komme dabei eine wichtige integrative Funktion zu, so die DGIM.

Bioproben aus Blut, Urin oder Gewebe bilden das Ausgangsmaterial für die Analyse von Erbgut und die Erforschung von Proteinen oder biochemischen Signalwegen wie beispielsweise der körpereigenen Abwehr. Sie liefern molekulare Hinweise auf die Funktion von Organen und Zellen und deren Kommunikation – etwa einer Krebszelle. Kombiniert mit Befunden aus der Bildgebung und klinischen Tests ermöglicht dies heute, komplexe Zusammenhänge von Krankheiten besser zu verstehen. "Mit der Systemmedizin gewinnen wir ein neues Verständnis der vielen sich wechselseitig beeinflussenden Faktoren, die letztendlich zu einer Erkrankung führen", sagt Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. "Damit eröffnen sich Chancen für Diagnostik und Therapie in der Medizin". In der Krebsmedizin etwa kommen diese Methoden bereits zum Einsatz.

Jedoch stellen diese Entwicklungen die Innere Medizin auch vor neue Aufgaben, denn die Erkenntnisse entspringen verschiedensten Forschungszweigen. Zudem fallen große Datenmengen an, die es technisch und rechtlich angemessen zu handhaben gilt. "Wir müssen deshalb Prozesse und Strukturen entwickeln, um die unterschiedlichen Technologien und Fachgebiete sinnvoll zusammenzuführen und sie für die klinische Arbeit im Sinne einer internistischen Systemmedizin optimal nutzbar zu machen", sagt Professor Dr. med. Frank Lammert aus Homburg/Saar. Er sitzt der DGIM-Kommission "Wissenschaft und Nachwuchsförderung" vor, die das Positionspapier vorlegt. Einen gangbaren Weg sieht die Kommission in der Schaffung fachübergreifender Verbünde, die sämtliche Möglichkeiten bündeln.

Um das neue Wissen der Systemmedizin für das Gesundheitswesen verfügbar zu machen, sei die Verknüpfung von Behandlungsdaten mit der Versorgungsforschung notwendig – immer unter Wahrung der Patientenrechte. Die Kommission fordert auch, neue Verfahren in klinischen Studien zu prüfen, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. "Wir sehen uns hier in einer Vorreiterrolle bei der Generierung, Analyse und Integration von großen Datenmengen zu Behandlungs- und Forschungszwecken innerhalb der Medizin", sagt Professor Dr. med. Nisar Malek aus Tübingen, der die Stellungnahme zur Systemmedizin konzipiert hat.

Ärzte und insbesondere Internisten müssen künftig in der Lage sein, molekulare Informationen zu analysieren, in klinischen Zusammenhängen zu interpretieren und ihre Patienten entsprechend zu beraten. "Das setzt jedoch Wissen voraus, das heute nicht im notwendigen Umfang vermittelt wird", betont Professor Fölsch. Deshalb sieht das Positionspapier der DGIM molekularmedizinische Fort- und Weiterbildungsangebote vor. "Wir stehen vor einem völlig neuen Verständnis von Krankheiten, deren Prävention und Therapie – dies gilt es entschlossen und gewissenhaft zum Wohle unserer Patienten zu nutzen", so Fölsch.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Mehr über die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. finden Sie hier: www.dgim.de