Molekularer Mechanismus entschlüsselt

„Die Arbeit verändert in zentralen Aspekten das Verständnis der Immunreaktion bei einer Hepatitis B-Virus-Infektion“, sagt Zeißig. Bisher nahm man an, dass das Virus erst Wochen oder Monate nach einer Infektion zu einer detektierbaren Immunantwort führt. Man glaubte, dass das Virus zu diesem späten Zeitpunkt von Zellen des Immunsystems erkannt wird und erst dann die heilenden Abwehrkräfte des Körpers tätig werden.

„Unsere Arbeiten zeigen jetzt, dass das Virus bereits direkt nach der Infektion ganz bestimmte Blutzellen aktiviert, die sich Natürliche Killer T-Zellen (NKT-Zellen) nennen“, so Zeißig. Interessanterweise würden diese NKT-Zellen im Rahmen der Hepatitis B-Virus-Infektion jedoch nicht durch Zellen des Immunsystems aktiviert, sondern durch die infizierten Leberzellen selbst, was ungewöhnlich sei.

Die beteiligten Forscher haben die molekularen Mechanismen der NKT-Zell-Aktivierung, die bei einer HBV-Infektion ablaufen, erstmalig beschrieben. Kommt es zu einer Infektion mit Hepatitis B-Viren, benutzt das Virus Lipide aus den Leberzellen, um die Virushülle zu bilden. Dadurch verändert sich das Lipidmilieu der Leberzellen, wodurch Zellen der Immunabwehr (NKT-Zellen) aktiviert werden.

„Unsere Studien haben sehr deutlich gezeigt, dass die frühe Aktivierung von NKT-Zellen notwendig ist, um eine Immunantwort gegen HBV auszulösen. Mäuse, die keine NKT-Zellen haben, leiden an einer chronischen HBV-Infektion und Leberentzündung“, ergänzt Zeißig. Diese Studien, ergänzt er, verändern das Verständnis der zellulären Abläufe der Immunreaktion bei der Hepatitis B Virus-Infektion grundlegend und haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung neuer Therapien für die chronische Hepatitis B-Infektion haben.

MEDICA.de; Quelle: Exzellenzcluster Entzündungsforschung